Im Okt. 2006 hieß es für die Studenten des RuN und LaNu Studiengangs: Ab in den "Loben"!
Ziel der Exkursion war die Besichtigung des Naturschutzgebietes (NSG) "Der Loben" im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft (Elbe-Elster-Kreis, Südbrandenburg).
Das 702 ha große NSG zeichnet sich durch seine vielfältigen Lebensraumtypen wie Torfmoosmoore, Feuchtwiesen, Torfstiche und Moorheiden aus. Neben der Pflanzenvielfalt (316 Pflanzenarten, darunter 32 gefährdete) stellt das Gebiet auch einen wichtigen Brut-, Schlaf- und Sammelplatz für Kraniche dar. Raufußkauz, Neuntöter oder Kreuzotter sind ebenfalls seltene hier vorkommende Arten.
Begleitet wurde die Besichtigung Vorort durch den ansässigen Wasser- und Bodenverband Elbe-Elster, sowie durch Frau Prof. Luthardt und einen ehemaligen Absolventen der HNE Eberswalde (FH), Ron Meier. An den einzelnen Besichtigungsstationen im NSG ging es vor allem um die Problematiken der Moordegradierung durch Entwässerung und um die Vorort durchgeführten, erfolgreichen Wiedervernässungsmaßnahmen zum Moorschutz.
Auch der Torfabbau war Thema der Exkursion. Denn seit der Errichtung des Moorbads 1905 in Bad Liebenwalde wurde immer wieder Torf aus der umliegenden Umgebung abgebaut. Die ehemaligen Torfstiche im NSG "Der Loben" zeugen davon.
Auch heute noch wird der Torfabbau praktiziert und diskutiert. Hierbei stellt sich vor allem die Frage nach dem Verbleib und der weiteren Wiederverwendung des "abgebadeten" Torfes.
Am Ende der Exkursion kamen die Studenten dann schließlich noch im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Moor an sich in Berührung. Bei einer Bohrung mit der Moorklappsonde konnte erlebt werden, wie so ein Moor geschichtet ist, farblich aussieht und sich konkret anfühlt. Also ein runder Abschluss für eine Exkursion ins Moor.
weitere Informationen zum Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft: Verwaltung und Naturwacht Tel.: 03 53 41 / 615-0


Text und Bilder: Beatrice Kreinsen
Gödöllö und Nagyszekely sind nicht nur Namen, die uns entweder schmunzeln oder wegen ihrer Unaussprechlichkeit verzweifeln lassen. Sie stehen auch für lebendige europäische Dorfentwicklung, die am Fachbereich Landschaftsnutzung und Naturschutz schon zu einer Tradition geworden ist. Seit zehn Jahren bereits treffen sich Studierende des Fachbereich Umweltmanagement der Szent-Istvan-Universität aus Gödöllö bei Budapest, Ungarn, sowie Landschaftsnutzung und Naturschutz der HNE Eberswalde (FH), um gemeinsam für eine Woche in einem Dorf zu arbeiten und die andere Kultur kennen zu lernen.
Der Austausch wird von den Professoren Jürgen Peters aus Eberswalde und Gabor Onodi aus Gödöllö organisiert. Die Studierenden beschäftigen sich während der jeweils einwöchigen Projektwochen mit der konkreten Entwicklung eines Dorfes in Deutschland bzw. Ungarn. Sie unterstützen für einige Tage das jeweilige Dorf bei der Umsetzung bereits vorhandener Ideen und entwerfen eigene Pläne zur Entwicklung der Gemeinde. So entsteht gleichzeitig auch ein reger Kontakt zur lokalen Bevölkerung und Dorfentwicklung wird im europäischen Kontext greifbar.
Im vergangenen September wurde zum zehnjährigen Jubiläum ein besonders schönes ungarisches Dorf besucht, die Gemeinde Nagyszekely, etwa zwei Zugstunden südlich von Budapest gelegen. Nach Anreise mit dem Nachtzug über Wien und einer holprigen Fahrt mit dem Regionalzug ab Budapest wurden die Eberswalder im idyllischen Nagyszekely – auf deutsch: Groß-Säckel, der Name verweist auf frühere schwäbische Siedler – von den Studierenden aus Gödöllö empfangen. Nagyszekely liegt eingebettet in ein lang gestrecktes sonniges Tal, dessen Zufahrtsstraße im Ort endet, und ist geprägt von alter Weinbautradition, die deutsche Siedler aus Schwaben mitgebracht hatten. Das Dorf begeisterte alle Teilnehmer von Anfang an durch seine unberührte alte Bausubstanz im Stil typisch ungarischer Bauernhäuser mit seitlichem Laubengang. Doch schon bald erfuhren die Studierenden auch von den vielfältigen sozialen und wirtschaftlichen Problemen, die der Strukturwandel in der Landwirtschaft mit sich gebracht hat, sowie dem fast vollständigen Rückgang des Weinbaus. In kleinen Gruppen wurden Projekte in Angriff genommen, die dazu beitragen sollen, diesen Wandel zu bewältigen: die Einrichtung eines Weinlehrpfades für Touristen, die Wiederbelebung von Gärten in der Dorfmitte zum Anbau von Obst und Gemüse für den Eigenbedarf, die Erfassung der das Dorf umgebenden landwirtschaftlichen Strukturen sowie die Entwicklung von Lösungsansätzen für die Problematik der Erosion des stark lößhaltigen Bodens. Exkursionen in die Umgebung und Gespräche mit den Bewohnern und Akteuren ließen die örtlichen Probleme greifbar werden und Weinproben ließen erahnen, wie gut der Lößboden für den Weinbau geeignet ist! Am letzten Abend wurden die Ergebnisse interessierten Dorfbewohnern vorgestellt und bei einem üppigen regionaltypischen Büffet klang dieser zehnte Besuch in Ungarn aus.
Erstmals waren am letzten Austausch auch Studierende des neuen Master-Studiengangs „Regionalentwicklung und Naturschutz“ beteiligt, für die damit regionalentwicklerische Probleme im osteuropäischen Ausland konkret greifbar wurden.
Im Gegenbesuch wird bald schon wieder eine Delegation aus Gödöllö in Eberswalde erwartet, und vielleicht bleibt erneut ein Student oder eine Studentin in Eberswalde hängen? So jedenfalls ist es Daniel Deszeny ergangen, der mittlerweile nicht nur sein Diplom in Gödöllö, sondern auch seinen Bachelor im Fach „Landschaftsnutzung und Naturschutz“ erworben hat und bei einem Planungsbüro in Angermünde zum Thema Erneuerbare Energien arbeitet. Das ist dann weniger Tradition sondern vielmehr echte europäische Integration!
Patrick Thur