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Bildungsoffensive Ökolandbau Brandenburg

Hintergrund

Brandenburg weist mit 10,7% der Anbaufläche den bundesweit höchsten Anteil an ökologisch bewirtschafteter Fläche auf . Selbst im Jahr der Wirtschaftskrise 2009 wuchs die ökologische Agrar- und Ernährungswirtschaft , so dass auch in Zukunft von einem stabilen bis wachsenden Bio-Markt ausgegangen werden kann. Die Anzahl der Betriebe und der bewirtschafteten Flächen haben in den letzten Jahren stetig zugenommen, so dass im Jahr 2009 975 Unternehmen 142.200 ha bewirtschafteten.

In Brandenburg ist seit Jahren ein Rückgang der Auszubildendenzahlen für Grüne Berufe zu beobachten: Lag z.B. 2003 die Anzahl der Auszubildenden im 1. Ausbildungsjahr im Beruf Landwirt bei 235, so sank die Zahl auf 108 im Jahr 2010. Im Bereich Tierwirt veränderte sich die Zahl von 92 auf 55, bei den Gärtnern Fachrichtung Gemüsebau von 20 auf 2. Auch wenn der Rückgang der Auszubildendenzahlen schon deutlich zu spüren ist, so wird die Massivität des demographischen Wandels noch verdeckt durch einen gewissen Überhang an Jugendlichen, die in den Vorjahren noch keine Lehrstelle gefunden hatten. Zu erwarten ist jedoch eine drastische Veränderung, da nach der Wende die Geburtenzahlen in Ostdeutschland auf 1/3 absanken. Damit ist ein Nachwuchs- und Fachkräftemangel im Brandenburger Agrarsektor abzusehen, der aufgrund der Dynamik in der ökologischen Landwirtschaft und der mangelnden Ausbildungsmöglichkeiten im ökologischen Landbau die Öko-Betriebe besonders betreffen könnte.

Bislang gibt es in der staatlichen Berufsbildung für landwirtschaftliche Berufe in Brandenburg noch keine Profilierungsmöglichkeit für das Themenfeld „Ökolandbau“ – weder in der beruflichen Erstausbildung noch in der Weiterbildung in Form von Fach- und Meisterschulen.

Mit dem Ziel Fach- und Führungskräften für Unternehmen der ökologischen Agrar- und Ernährungswirtschaft in Brandenburg auszubilden bietet die Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) den Bachelorstudiengang „Ökolandbau und Vermarktung“ sowie einen Masterstudiengang „Öko-Agrarmanagement“ an. Als Ergänzung des klassischen Hochschulangebots entwickelt die HNEE derzeit ein berufsbegleitendes und ein ausbildungsintegrierendes Studium (Kombination von landwirtschaftlicher Erstausbildung und Hochschulstudium) im Bachelorstudiengang  „Ökolandbau und Vermarktung“.

Darüber hinaus gilt es auch im Land Brandenburg in der Aus-, Fort- und  Weiterbildung Angebote zur Vermittlung von Wissen zu ökologischem Landbau zu schaffen.

Ziel der Bildungsoffensive ist es verschiedene Möglichkeiten der Weiterentwicklung der Bildungsmöglichkeiten im Themenfeld ökologischer Landbau aufzuzeigen. Dazu wurden und werden eine Reihe von F&E und E&E Projekte unter Einbeziehung einer breiten Vielfalt von Akteuren und aus unterschiedlichsten Quellen finanziert. Verschiedene Ansätze wurden bisher vorgeschlagen und werden derzeit  mit den betreffenden Akteuren weiterentwickelt.

Im Bereich „Ausbildung“ wurden bisher folgende Ansätze verfolgt:

  1. Berufsschulunterricht: Fördern der theoretischen Vermittlung von Ökolandbauthemen im Berufsschulunterricht. Im Rahmenlehrplan für die Landwirte des 2. und 3. Lehrjahrs sind bereits je 40 Unterrichtsstunden für „alternative Landwirtschaft“ vorgesehen, allerdings ohne klare inhaltliche Definition. Die Ausgestaltung steht den Anbietern frei. Daher wird die Schaffung von (externen) Angeboten zur Unterstützung der Berufsschulen in der verstärkten Integration der Themen des ökologischen Landbaus in den Berufsschulalltag empfohlen.
  2. Integration der Inhalte in die überbetriebliche Ausbildung wurde aufgrund der inhaltlichen Ausrichtung der überbetrieblichen Ausbildung verworfen. 
  3. Einrichtung einer Landesfachklasse Ökolandbau als eine Möglichkeit für die Auszubildenden von Brandenburger Öko-Betrieben gezielt in Themen des ökologischen Landbaus geschult zu werden. Dabei besteht die große Herausforderung, eine ausreichende und nachhaltige Nachfrage zu schaffen. Dies könnte über eine entsprechende Kommunikation der Möglichkeiten und ggf. über eine Kooperation mit anderen ostdeutschen Bundesländern erfolgen.
  4. Zusatzlehrgänge für Auszubildende von Ökobetrieben, um Auszubildenden von Brandenburger Öko-Betrieben außerhalb des eigenen Betriebes theoretische Inhalte zu vermitteln.
  5. Schaffung von Lehrangeboten in der Vorbereitungsphase von Prüfungszulassungen im Ausbildungsberuf Landwirt/Landwirtin nach § 45 (2) Berufsbildungsgesetz. Lehrangebote zur ökologischen Landwirtschaft. Dazu könnten entsprechende Unterstützungsangebote für die RBA, z.B. in Form von Lehrmaterialien, Exkursionsangeboten und Vermittlung von Fachdozenten, erarbeitet werden.
  6. Werbung von Auszubildenden: Zur Steigerung der Quantität und Qualität der Auszubildenden in der Landwirtschaft.
  7. Unterstützung von Interessenten bei der Ausbildungsplatzsuche: Schaffung einer vollständigen, verbandsübergreifenden  Übersicht der Ausbildungsplätze aller ausbildenden und ausbildungsberechtigten landwirtschaftlichen Öko-Betrieben Brandenburgs.

Im Bereich der „Weiterbildung“ fanden bisher drei Ansätze Berücksichtigung:

  1. Koordination bestehender Weiterbildungsangebote durch Darstellung auf einer Homepage sowie regelmäßiger Versand eines Newsletters.
  2. Unterstützung von Bildungsanbietern bei der Integration ökologischer Themen in Kurse zur Vorbereitung auf die Meisterprüfung durch Lehrmaterialien, Vermittlung von Dozenten und Exkursionsangebote
  3. Kooperation mit der Koordinationsstelle des neu entstehenden Angebotes eines berufsbegleitenden Studienangebotes (BeStuLa) an der HNE Eberswalde: Förderung des „Lebenslangen Lernens im ökologischen Landbau“.

Aus Diskussion und kritischer Betrachtung dieser Ansätze wurde ein Konzept für die Weiterentwicklung dieser Ansätze abgeleitet.

Es wird die Einrichtung einer Arbeitsgruppe „Ausbildungsoffensive Ökolandbau Brandenburg“ und eines „Innovations- und Kompetenzzentrum Ökolandbau“ (Arbeitstitel) vorgeschlagen. Die vorrangigen Aufgaben könnten dabei zunächst in der Konzeption und Organisation von Zusatzlehrgängen für Auszubildende der Brandenburger Öko-Landwirtschaft sowie der Unterstützung der Bildungsanbieter bei der Integration der ökologischen Themen in die Meistervorbereitung und das Angebot einer Pilotphase eines „Meisterkurs mit Schwerpunktsetzung auf Ökologischen Landbau“ liegen. Mittelfristig könnte die Einrichtung einer Landessonderklasse geprüft werden.

Flankierend dazu könnte die Information über bestehende Aus- und Weiterbildungsangebote verbessert, eine Übersicht der ausbildenden und ausbildungsinteressierten Betriebe erstellt werden und offensiv für Auszubildende geworben werden.


Gefördert mit Mitteln des Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft des Landes Brandenburg

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