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Ansätze zur Integration von Ökolandbauthemen in die

Aus- und Weiterbildung in Brandenburg


Hintergrund


Bundesweit wachsen seit Jahren sowohl die Anzahl der Bio-Betriebe, die ökologisch bewirtschaftete landwirtschaftliche Nutzfläche (BÖLW 2012) als auch die Nachfrage nach Bio-Lebensmittel.Das Land Brandenburg wies im Jahr 2011 mit 10,8% der Anbaufläche den bundesweit höchsten prozentualen Anteil an ökologisch bewirtschafteter Fläche auf (BMELV, 2011).  

Gleichzeitig ist in Brandenburg seit Jahren jedoch ein Rückgang der Auszubildendenzahlen für Grüne Berufe zu beobachten: Lag z.B. 2003 die Anzahl der Auszubildenden im 1. Ausbildungsjahr im Beruf Landwirt bei 235, so sank die Zahl auf 108 im Jahr 2010. Im Beruf Tierwirt veränderte sich die Zahl im gleichen Zeitraum von 92 auf 55, bei den Gärtnern Fachrichtung Gemüsebau von 20 auf 2 (LELF, 2011). Aufgrund der demographischen Entwicklung ist davon auszugehen, dass die Zahlen in den nächsten Jahren abermals rückläufig sein bzw. sich auf einem recht niedrigen Niveau stabilisieren werden, so dass ein Nachwuchs- und Fachkräftemangel im Brandenburger Agrarsektor abzusehen ist — auch in den Bio-Betrieben.

Bislang gibt es in der staatlichen Berufsausbildung für landwirtschaftliche Berufe in Brandenburg noch keine Profilierungsmöglichkeit für das Themenfeld „Ökolandbau“ — weder in der beruflichen Erstausbildung noch in der Weiterbildung in Form von Fach- und Meisterschulen.

 

 

Ziel und Schwerpunktsetzung des Projektes

 

Das Projekt basierte auf dem von der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg e.V. (FÖL) erstellten Maßnahmenkatalog „zur Stabilisierung und Weiterentwicklung der Ökologischen Lebensmittelwirtschaft in Berlin-Brandenburg“. In diesem wird eine „Koordinationsstelle Aus- und Weiterbildung in der ökologischen Lebensmittelwirtschaft“ gefordert, für die das vorliegende Projekt ein Konzept liefern sollte. Daher wurden zunächst entlang der Lebensmittelkette verschiedene „grüne Berufe“ sowohl der landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Produktion als auch das Lebensmittelhandwerk und der Groß- und Einzelhandel der ökologischen Lebensmittelbranche betrachtet.

Für den Groß- und Einzelhandel der ökologischen Lebensmittelbranche entwickeln der Bundverband Naturkost Naturwaren (BNN) und FORUM Berufsbildung e.V. ein bundesweites Konzept zur Einordnung verschiedener Ausbildungsmöglichkeiten und Ausbildungsmodule in den Europäischen Qualifikationsrahmen. Damit wird dieser Bereich der Lebensmittelwertschöpfungskette auf einer bundesweiten Ebene vom entsprechenden Bundesverband, sowie einem jahrelang tätigen Bildungsträger bereits bearbeitet und im vorliegenden Projekt nicht weiter verfolgt. Das ökologische Lebensmittelhandwerk ist in Brandenburg nur durch einige wenige Bio-Bäckereien und -Fleischereien vertreten, von denen nur ein geringer Teil ausbildet, so dass auch hier eine weitergehende Betrachtung für die Projektbearbeitung nicht zielführend erschien.

In der landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Produktion gab es zum Stichtag 31.12.2010 in Brandenburg 108 Auszubildende im ersten Lehrjahr für den Beruf Landwirt, 55 für den Beruf Tierwirt, einen für Gemüse- und zwei für Obstbau (LELF, 2011). In den Berufen also, bei denen am meisten Anknüpfungspunkte an die ökologische Produktionsweise zu finden sind, ist der Ausbildungsberuf Landwirt mit Abstand am häufigsten vertreten.

Diese Aspekte machten deutlich, dass eine Schwerpunktsetzung auf die Betrachtung der ökologischen Landwirtschaft sinnvoll ist. Im weiteren Projektverlauf und im ausgearbeiteten Konzept wurde der Fokus daher auf den Beruf des Landwirtes gelegt, wobei an einigen Stellen (v.a. Aspekte, die in beiden Ausbildungsgängen relevant sind) sicherlich Überschneidungen mit der Ausbildung im Beruf des Tierwirtes genutzt werden können.

Neben der besseren Ausrichtung der beruflichen Aus-, Fort- und Weiterbildung auf die Bedarfe des ökologischen Landbaus war ein weiteres Ziel für das auszuarbeitende Konzept Transparenz über existierende Bildungsangebote herzustellen und die Zusammenarbeit der Bildungsträger hinsichtlich Überschneidungen in den Angeboten und inhaltlicher Synergien zu verbessern.

 

 

Herangehensweise an die Konzeptentwicklung

 

Bei der Erarbeitung des Konzeptes wurde ein Methodenmix verwendet, bei dem sowohl qualitativ-mündliche Interviews (in unterschiedlichen Strukturierungsgraden), schriftliche Befragungen als auch Vor-Ort-Besuche durchgeführt wurden. Flankiert und ergänzt wurden die Maßnahmen zur Konzeptbearbeitung durch diverse Internet- und Literaturrecherchen.

Expertengespräche wurden mit Vertretern der (regionalen) Bio-Branche wie den Vertretern der in Brandenburg tätigen Öko-Anbauverbände, der FÖL e.V., Terra Naturkost, mit Vertretern des Bildungsbereiches wie der Landesfachberaterin für die Berufsschulen, der Zuständigen Stelle für die Ausbildung im Agrarbereich sowie mit einer Vertreterin des Bildungsministeriums geführt. Des Weiteren wurden auch Vertreter von landwirtschaftlichen Weiterbildungsanbietern befragt, z. B. der Brandenburgischen Landwirtschaftsakademie oder des FORUM Berufsbildung e.V.. Eine schriftliche Befragung wurde unter den Regionalstellen für Bildung im Agrarbereich (RBA) durchgeführt sowie unter ausbildenden bzw. ausbildungsberechtigten Bio-Landwirten, letztere ergänzt um vier ausführliche Interviews mit aktuell ausbildenden Bio-Landwirten. Ebenso wurden Gespräche mit Vertretern der Justus-von-Liebig-Schule geführt, die als bundesweit einzige Berufsschule bereits ein Angebot mit der Schwerpunktsetzung „Ökolandbau“ auf dieser Stufe der beruflichen Bildung bereitstellt. Der Schwerpunkt der Internet- und Literaturrecherche wurde auf Angebote im Aus- und Weiterbildungsbereich der ökologischen Lebensmittelwirtschaft gelegt.

 

 

Empfehlungen

 

Die zunächst formulierte Zielsetzung der „Entwicklung eines Konzeptes für ein Bildungszentrum Ökolandbau, einer Koordinationsstelle ‚Aus- und Weiterbildung in der ökologischen Lebensmittelwirtschaft’“ wurde aus verschiedenen Gründen weiterentwickelt. Einerseits wird die ökologische Landwirtschaft in den Mittelpunkt der Betrachtung gestellt, anderseits erscheint eine Koordinationsstelle unter den derzeitigen Bedingungen nicht zielführend, da es zunächst mehr um die Schaffung von Angeboten statt um die Koordination bestehender Angebote geht. Weiterhin erfordert die Umsetzung des vorgeschlagenen Konzeptes neben der Koordinationsarbeit auch konzeptionelle Tätigkeiten. Daher wird die Etablierung eines „Bildungszentrum Ökolandbau“ (Arbeitstitel) angestrebt, das sowohl als reeller Ort im Sinne einer Bildungsstätte als auch als virtueller Ort im Sinne einer Personalstelle verstanden werden kann. Zur Spezifikation der Aufgaben des „Bildungszentrum Ökolandbau“ sowie zur Vernetzung der relevanten Akteure, zur Umsetzung, Begleitung bzw. Überprüfung der im Folgenden vorgeschlagenen Maßnahmen wird empfohlen eine Arbeitsgruppe „Bildungsoffensive Ökolandbau“ einzurichten. Neben den Vertreterinnen des MIL, einer Vertreterin der Zuständigen Stelle für die Ausbildung im Agrarbereich und einer Fachberaterin der Berufsschulen könnten je eine Vertreterin der HNEE und der FÖL e.V. sowie ausgewählte Landwirte mit einbezogen werden. Die Zusammensetzung sollte zu gegebenen Zeitpunkten überprüft und angepasst werden.

 

Als Maßnahmen zur Entwicklung der Ausbildung werden daher angeregt:

 

  1. Die bestehende Übersicht der ökologisch wirtschaftenden Ausbildungsbetrieben könnte um Ausbildungsbetriebe, die grundsätzlich die Ausbildungsberechtigung haben, aber im aktuellen Jahr nicht ausbilden, ergänzt werden und über die Internetseite des Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft des Landes Brandenburg (MIL) verfügbar gemacht werden. Bisher sind nur die aktuell ausbildenden Betriebe verzeichnet. Würden jedoch alle Ausbildungsbetriebe erfasst, wäre eine Transparenz über ökologisch wirtschaftende Ausbildungsbetriebe hergestellt. (Die Überarbeitung der Übersicht zu ökologisch wirtschaftenden Ausbildungsbetriebe durch das MIL unterstützt durch Zuarbeiten der HNEE ist bereits während der Projektbearbeitung erfolgt.)

  2. Durch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und ggf. speziell entwickelte Aktionen könnten weitere potentielle Auszubildende geworben werden. Bisher berichten die Landwirte von Schwierigkeiten, gute Auszubildende zu bekommen. Durch entsprechende Maßnahmen könnten Qualität und Quantität der Auszubildenden für die (ökologischen) landwirtschaftlichen Berufe verbessert werden.

  3. Für Auszubildende auf ökologischen Betrieben könnten Zusatzlehrgänge mit speziellen ökologischen Inhalten konzipiert und durchgeführt werden. Bislang bekommen Auszubildende das Wissen zum ökologischen Landbau v.a. auf ihren Ausbildungsbetrieben vermittelt. Mit neuen Zusatzlehrgängen könnte zentral das praktisch erworbene Wissen theoretisch untermauert werden und die im ganzen Bundesland ausgebildeten Auszubildenden von Ökobetrieben könnten sich gezielt vernetzen.

  4. Als Weiterentwicklung der Zusatzlehrgänge könnte mittelfristig eine Landessonderklasse eingerichtet werden. Im Augenblick gibt es eine vergleichbare Möglichkeit nur in Niedersachsen an der Justus-von Liebig-Schule. Mit einer Landessonderklasse hätte das Land Brandenburg eine mittelfristige Profilierungsmöglichkeit, mit der ggf. auch zusätzliche Auszubildende aus anderen Bundesländern geworben werden können.

 

Im Bereich der Weiterbildung werden folgende Maßnahmen empfohlen:

 

  1. Zur Schaffung einer aktuellen Übersicht der existierenden Weiterbildungsangeboten könnten eine Homepage und ein Newsletter konzipiert werden. Ergänzend dazu könnte ein entsprechender E-Mail-Verteiler (inklusive der EU-Ökobetriebe) entwickelt werden. Da es beides noch nicht gibt, könnte damit eine gute Transparenz über existierende Weiterbildungsangebote hergestellt werden.

  2. Ein Pilotprojekt „Meisterkurs mit Schwerpunktsetzung auf Ökologischem Landbau“ könnte an einer der Regionalstellen für Bildung im Agrarbereich (RBA) inkl. der Erstellung entsprechender Lehrmaterialien durchgeführt werden. Damit würde ein noch nicht vorhandenes Angebot der Integration von Öko-Landbauthemen in die Vorbereitung auf die Meisterprüfung geschaffen werden.

Damit die empfohlenen Maßnahmen für die Aus- und Weiterbildung in Zukunft umgesetzt werden können, wird dringend die Einberufung der Arbeitsgruppe „Bildungsoffensive Ökolandbau“ empfohlen. Beim ersten Treffen ist insbesondere eine Verständigung darüber, wer welche der vorgeschlagenen Maßnahmen mit welcher Intensität zu wann umsetzt bzw. die Verantwortung für den Baustein übernimmt notwendig sowie darüber, wie die unterschiedlichen Maßnahmen finanziert werden können. Dazu bietet es sich an, in der ersten Sitzung eine Prioritätensetzung der einzelnen Maßnahmen vorzunehmen.


Die vollständige Version der Kurzfassung zum Endbericht des Projektes „Bildungszentrum Ökolandbau“ finden Sie hier als pdf

 

Kontakt für weitere Informationen: Prof. Dr. Anna Maria Häring