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Oswald JarischBilder vom 15.06.2010 096

Erinnerungen an einen Eberswalder Künstler

Ein vielseitiger Mann war er: Maler, Fotograf und ein ausgezeichneter Insektenkenner.

Oswald Jarisch wurde am 2. Dezember 1902 in Zittau als Sohn eines Dekorationsmalers geboren und verstarb am 10. Dezember 1979 in Eberswalde.

1917 beendete er eine achtjährige Volksschulzeit.

In der anschließenden Lehrzeit von 1917 -1922 nahm er Unterricht als Flachglasmaler an der Handwerks- und Gewerbeschule in Zittau, Abschluss mit Auszeichnung.

Dann begann seine Wanderschaft. Zwei Jahre arbeitete er in einer landwirtschaftlichen Kommune auf der schwäbischen Alb.

Ab 1924 bereitete er sich auf das Studium an der Akademie der Bildenden Künste Dresden vor.

Von 1925-27 studierte er dann bei verschiedenen Professoren und 1927-29 wurde er auch Privatschüler bei Edmund Steppes in München.

Zur Porträtmalerei seines Vaters erzählte Klaus Jarisch: „Schon vor seinem Studium an der Akademie in Dresden 1924 hat er sich mit der Porträtmalerei befasst. Sie war aber nicht seine große Leidenschaft. Er liebte immer die Landschaften. Die Porträts waren aber immer wieder wichtig zum Überleben“.

Das betraf auch die Zeit nach seinem Studium ab 1929 in Mühlhausen (Thüringen) bis 1934. Er heiratete Marianne Wildbrett.

1934-41 war er in Jonsdorf (Zittauer Gebirge) wohnhaft. In dieser Zeit kamen 3 Söhne zur Welt. Er erhielt Aufträge für große Wandmalereien.

1941-44 folgte sein Militärdienst an der Ostfront, wo er als Kriegsmaler eingesetzt wurde (Porträtierung von Ritterkreuzträgern).

Als lebenserhaltend erwies sich dann die Porträtmalerei in der russischen Gefangenschaft von 1944-48. Jarisch arbeitete mit drei weiteren Malern als Meister in einer Kunstmalerwerkstatt für den Politkapitän des Lagers in Mitau(Lettland). Die russischen Offiziere bezahlten ihre Bilder mit Lebensmitteln.

In der Kriegsgefangenschaft schuf Oswald Jarisch etwa 100 Blätter zu Goethes „Reineke Fuchs“. Zur späteren Veröffentlichung in Deutschland kam es jedoch nicht.

1948 kehrte Oswald Jarisch aus russischer Kriegs-gefangenschaft nach Jonsdorf zurück, wo er vorwiegend als Wandmaler freiberuflich tätig war. Er wurde Mitglied im Verband Bildender Künstler und im Kulturbund. Er war unter anderem mit Sichtwerbung für die DEWAG tätig. Während dieser Zeit um 1948 widmete er sich wieder stärker der Schwarz- Weiß- Fotografie und in diesem Zusammenhang der Insektenkunde. Der vierte Sohn wurde geboren.

1955 gehörte Oswald Jarisch der Gründungsgruppe Entomologie innerhalb des deutschen Kulturbundes an. 1957 begründete er mit anderen einen naturwissenschaftlichen Arbeitskreis der Oberlausitz. Oswald Jarisch wurde als Spezialist für Insektenfotografie in den zentralen Fachausschuss des Deutschen Kulturbundes berufen. Prof. Werner Ebert holte ihn 1960 nach Eberswalde an das Institut für Forstwissenschaften. Er lieferte für populärwissen-schaftliche und Fachbücher von Insektenforschern wertvolle Illustrationen und Fotodokumente. Hierfür erhielt er mehrere Auszeichnungen, unter anderem die Johannes- R.- Becher- Medaille.

Die Insektenfotografie ist besonders schwierig, weil viele dieser Tiere nicht nur klein, sondern auch sehr beweglich sind. Die damalige Fototechnik bot bei weitem nicht das, was heute schon fast selbstverständlich ist.

1971 wechselte er zum Institut für Pflanzenschutzforschung Kleinmachnow in den Bereich Eberswalde. Ab dieser Zeit war er noch in geringem Umfang als Maler tätig.

Zu seinen Werken gehören zahlreiche Bildnisse, Selbstbildnisse, Arbeiten mit Landschafts-, Märchen-, Tier- und Pflanzendarstellungen und nicht zuletzt seine ungeheure Menge an Insektenfotografien.

In seiner letzten Schaffensperiode malte Oswald Jarisch auch 3 Serien der naturkundlichen Tafeln mit einheimischen Vögeln, geschützten Pflanzen und Pilzen, mit denen er den Forstbotanischen Garten bereicherte und die in dieser Ausstellung zu sehen sind.

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