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Die Vielfalt der Geschlechter

geschlechter

Hierzulande sind Vorstellungen eines binären Geschlechtssystems (bestehend aus Mann und Frau) noch weit verbreitetet. In anderen Gesellschaften sind andere Geschlechter seit Jahrhunderten anerkannt.

Intersexuelle Menschen (deren biologisches Geschlecht nicht eindeutig männlich oder weiblich zugeordnet werden kann) hatten beispielsweise in vielen Stämmen der nordamerikanischen Ureinwohner angesehene Positionen als Schamanen und Heiler. Im Buddhismus und Hinduismus tragen einige Gottheiten ebenfalls das weibliche und männliche Geschlecht in sich.

Neben der Intersexualität, welche eine Frage des biologischen Geschlechtes ist, gibt es verschiedene Geschlechtsidentäten. Dieser Begriff bezeichnet, wie eine Person ihr eigenes Geschlecht wahrnimmt. So gibt es Menschen, die fühlen sich als Frau, Mann, dazwischen oder nichts von alledem. Wenn die Geschlechtsidentität eines Menschen nicht dem zur Geburt zugewiesenem Geschlecht entspricht, spricht man von transgender.

Die Frage der Geschlechtsidentität ist eng verbunden mit dem sozialen Geschlecht (Gender). Dies ist die durch die Gesellschaft geprägte Geschlechterrolle, die ein Mensch einnimmt.


Heutzutage wird die Frage nach dem Geschlecht in vielen Ländern und Institutionen unterschiedlich behandelt.

In Australien können transgender oder intersexuelle Menschen seit 2011 auf ihrem Pass ihr Geschlecht als F (female), M (male) oder X (indeterminate/Intersex/unspecified) angeben.

In der Universität von Kalifornien können neue Studierende zwischen sechs Möglichkeiten wählen:

  • male (Mann)
  • female (Frau)
  • trans male / trans man (Trans-Mann, als Frau geboren, jetzt Mann)
  • trans female / trans woman (Trans-Frau, als Mann geboren, jetzt Frau)
  • gender queer / gender non-conforming (geschlechtsneutral, ohne Geschlechterrolle)
  • different identity (andere Identität)


In Deutschland gibt es für Trans* Personen die Möglichkeit, in einer längeren Prozedur ihr offizielles Geschlecht zwischen männlich und weiblich zu wechseln. Seit 2011 ist dies auch ohne geschlechtsangleichende Operationen möglich.

Im Jahr 2013 wurde eine Änderung des Personenstandsgesetzes vorgenommen. Bei Geburt eines intersexuellen Kindes wird im Geburtenregister weder männlich noch weiblich angegeben. Insofern wird die Tabuisierung von Intersexualität durchbrochen. Allerdings kritisieren Betroffenenverbände diese Änderung des Gesetzes, da der betroffene Mensch selbst keine Wahlmöglichkeit hat. Zudem besteht die Gefahr der Stigmatisierung von Intersexuellen. Deshalb könnten die Eltern des Kindes unter erhöhtem Druck stehen, nach der Geburt geschlechtsangleichende Operationen durchführen zu lassen.