Bachelor of Science

Sozialökologisches Waldmanagement

Wälder sind komplexe Ökosysteme, Labore der Evolution und Bioreaktoren. Sie sind Klimaanlagen, die Regen machen, Landschaften kühlen und mit Wasser versorgen. Sie sind sozialökologische Systeme, die für das Wohlergehen von Menschen in der Klimakrise unverzichtbar sind. Die Bewirtschaftung ihrer Ökosystemleistungen ist deshalb eine zentrale Frage der nachhaltigen Entwicklung und der Umweltgerechtigkeit. 

Was macht das Studium besonders?

Es geht um einen neuen Blick auf Wälder. Auf der Grundlage von Waldökologie, Ökosystemtheorie und sozialökologischer Systemik wollen wir mit Waldeigentümer*innen und –bewirtschafter*innen sowie mit Akteuer*innen, die Wald schützen, hüten, erklären und erforschen, nach Wegen zu einer „guten Behandlung“ von Wäldern suchen. Dabei sind der Wald als haushaltendes und sich dynamisch veränderndes ökologische System und seine bestmögliche Funktionstüchtigkeit unter den Bedingungen der Klimakrise der Ausgangspunkt aller Überlegungen. Das Ziel ist das menschliche Wohlergehen auf der Grundlage einer gerechten Bewirtschaftung. 

Der sozialökologische Ansatz schließt nicht aus, dass Wälder bewirtschaftet werden, er bedeutet vielmehr, dass es unabdingbar ist. Neu ist aber sicherlich, dass die sozialökologische Waldbewirtschaftung dafürsteht, dass alle Ökosystemleistungen als knappe und sich voraussichtlich weiter verknappende Ressource bewirtschaftet werden. Es ist ein Ansatz, der für einen alternativen Umgang mit dem Wald steht sowie für eine andere Art und Weise "Wald zu lernen und zu lehren". Eine sozialökologische Waldbewirtschaftung ist menschenzentriert und ökosystembasiert.

Das Besondere an diesem Studiengang ist, dass ich nicht nur unheimlich viel über den Wald lerne, sondern das Ökosystem Wald in all seinen Facetten praktisch erleben kann. Vom ersten Semester an haben wir die neuesten sozialökologischen Erkenntnisse immer auch im Feld erproben können. Dabei hat mir das kooperative Miteinander zwischen den Studierenden und auch mit den vielen Praxispartnern das Gefühl gegeben, bereits im Studium Teil eines lebendigen Waldwandels zu sein. Ein Studium, das nicht nur Spaß, sondern auch Hoffnung macht!

 

ein Student im Wald

Marcus Jurk

Student Sozialökologisches Waldmanagement

Termine und Veranstaltungen

Der Studiengang wird von vielen Partner*innen aktiv unterstützt, u. a.:

Studieninhalte

Individuelle Studieninhalte

In 6 Semestern kombinieren wir aktuelle wissenschaftliche Theorien und Konzepte mit dem konkreten Erleben ganz unterschiedlicher Wälder. Es geht um Begegnungen mit Menschen, denen Wald wichtig ist und die gemeinsame Suche nach konkreten Antworten für die Bewirtschaftung, die nicht allein Holzproduktion zum Ziel hat und auch nicht von ihr abhängen sollte. Der Studiengang wird mit 180 ETCS abgeschlossen und ist berufsqualifizierend. 

 

Module pro Semester

Erstes Semester – Analysieren

Zweites Semester – Synthetisieren

Drittes Semester – Anwenden

Viertes Semester – Profilieren

Aus dem Angebot der Wahlpflichtmodule sind fünf in diesem Semester zu belegen.

Fünftes Semester – Erproben

Sechstes Semester – Dokumentieren

Ich hätte nie gedacht, dass wir tatsächlich so viel Zeit im Wald verbringen! Das eigene Erleben der unterschiedlichen Waldsituationen und die Einblicke, die wir von den vielen Praxispartnern vor Ort bekommen, sind unglaublich wertvoll für das Verständnis der Waldökosysteme und ihrer Bedeutung für uns Menschen.

 

eine Studentin im Wald

Anna Warnow

Studentin Sozialökologisches Waldmanagement

FAQ Studieninhalte

Nach dem Studium

Berufliche Perspektiven

Mit dem erfolgreichen Abschluss des Studiums sind Sie in der Lage, ökosystembasierte, innovative Lösungen für Wald und Menschen zu entwickeln und mithilfe eines adaptiven Risikomanagements die Gesundheit und Funktionsfähigkeit der Wälder zu erhalten und zu stärken. Dabei geht es darum, die Ökosystemleistungen von Wäldern auf der Basis von Werten, Wissen und Nichtwissen so zu bewirtschaften, dass sie auch unter den Bedingungen der Klimakrise als komplexe, sich selbstorganisierende Systeme erhalten bleiben, sich als zentrale Komponente einer lebenswerten Landschaft entwickeln und einen wichtigen Beitrag zum Wohlergehen der Menschen leisten.

Mögliche Berufsbilder für Absolvent*innen

Es ergibt sich eine Reihe möglicher Berufsbilder, die gemeinsam mit Studierenden sowie zukünftigen Absolvent*innen und Arbeitgeber*innen im Laufe der Zeit stetig weiterentwickelt werden. Ausgehend von der ursprünglichen Idee der Ausbildung von „Waldmanager*innen, Waldhüter*innen, Waldunternehmer*innen und Walderklärer*innen“ ergeben sich bislang die folgenden Profile:

Manager*in für Waldökosystemleistungen

Entwickelt und koordiniert innovative Konzepte für die Bewirtschaftung privater, kommunaler oder gemeinschaftlich genutzter Wälder als multifunktionale Ökosysteme. Im Mittelpunkt steht die ganze Bandbreite von Waldökosystemleistungen – etwa Biodiversität, Kühlung, Wasserrückhalt, Bodenschutz, Kohlenstoffspeicherung, Erholung und Landschaftsästhetik. Ziel ist es, diese Leistungen zu sichern, weiterzuentwickeln und zugleich die Vulnerabilität von Waldökosystemen gegenüber dem Klimawandel zu minimieren.

Projektmanager*in für Waldtransformation und natürlicher Klimaschutz

Plant und steuert Projekte zur klimaresilienten Entwicklung von Waldökosystemen. Dazu gehören Waldumbau, Wiederbewaldung, Waldmoorschutz, Wasserrückhalt, natürliche Sukzession, die Förderung strukturreicher Wälder und die Umsetzung entsprechender Förderprogramme.

Ökolog*in für die Wiederherstellung und Pronaturierung von Waldlandschaften

Arbeitet an der Wiederherstellung degradierter Waldökosysteme und ihrer ökologischen Funktionen. Der Fokus liegt auf Boden, Wasserhaushalt, Artenzusammensetzung, Strukturvielfalt, Waldrändern, Biotopverbund und langfristiger ökologischer Resilienz.

Schutzgebiets- und Wildnismanager*in

Entwickelt, betreut und evaluiert Schutzgebiete, Naturerbeflächen, Prozessschutzflächen oder Wildnisentwicklungsgebiete. Verbindet ökologische Zielsetzungen mit Monitoring, Besucherlenkung, Flächenmanagement, lokaler Akzeptanz und Konfliktbearbeitung.

Policy Advisor Wald, Biodiversität und Klima

Berät politische Entscheidungsträger*innen, Verwaltungen, Verbände oder Stiftungen zu Wald-, Klima- und Biodiversitätspolitik. Übersetzt wissenschaftliche Erkenntnisse in politische Strategien, Förderinstrumente, Stellungnahmen und Entscheidungsvorlagen.

Referent*in für Waldpolitik und sozialökologische Transformation

Arbeitet an der Schnittstelle von Politik, Gesellschaft, Verwaltung und Wissenschaft. Themen sind Waldgerechtigkeit, Eigentumsfragen, Landnutzungskonflikte, Biodiversitätsziele, Klimaanpassung und die Transformation forstlicher Leitbilder.

Berater*in für kommunale Wald- und Klimastrategien

Unterstützt Städte, Gemeinden und Landkreise dabei, ihre Wälder, Stadtwälder und waldnahen Landschaften strategisch weiterzuentwickeln. Dabei geht es um Klimaanpassung, Erholung, Biodiversität, Wasserhaushalt, Hitzeschutz, Bürger*innenbeteiligung und gemeinwohlorientierte Bewirtschaftung.

Entwickler*in nachhaltiger Wald-Geschäftsmodelle

Konzipiert wirtschaftlich tragfähige Modelle, die Waldökosystemleistungen jenseits klassischer Holznutzung in Wert setzen. Beispiele sind naturverträglicher Waldtourismus, Gesundheitsangebote, Bildungsformate, Biodiversitätsfinanzierung, Waldpatenschaften oder regionale Kooperationsmodelle.

Biodiversitäts- und Kompensationsmanager*in Wald

Plant, bewertet und begleitet Maßnahmen zur Förderung von Biodiversität, Biotopverbund und ökologischer Aufwertung in Waldlandschaften. Tätigkeitsfelder liegen etwa in Umweltplanung, Eingriffs-Ausgleichs-Regelung, Ökokonten, Renaturierung und unternehmerischem Biodiversitätsmanagement.

Konflikt- und Transformationsmoderator*in Wald

Gestaltet Aushandlungsprozesse in konfliktgeladenen Waldfragen, etwa zu Windkraft, Jagd, Naturschutz, Holznutzung, Erholung, Verkehrssicherung oder Prozessschutz. Verbindet waldökologisches Fachwissen mit Moderation, Beteiligung und sozialökologischer Konfliktanalyse.

Waldkommunikator*in für Transformation und Bildung

Vermittelt Wald nicht nur als Naturerlebnis, sondern als gesellschaftlich umkämpftes und ökologisch komplexes System. Entwickelt Bildungs-, Kommunikations- und Beteiligungsformate, die ökologische Zusammenhänge, Klimarisiken und Nutzungskonflikte verständlich machen.

Wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in für sozialökologische Waldsystemforschung

Untersucht Wälder als gekoppelte Mensch-Umwelt-Systeme. Mögliche Forschungsthemen sind Klimavulnerabilität, Waldgovernance, Biodiversität, Ökosystemleistungen, Waldkonflikte, Pronaturierung, gesellschaftliche Waldwahrnehmung und Transformationsprozesse in der Forstwirtschaft und Landnutzung.

Nicht zuletzt tragen die Absolvent*innen auch zur Entwicklung neuer Waldberufsbilder bei.

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Professur für Sozialökologie der Waldökosysteme

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