Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde
•••
Menü

Schlüsselbegriffe


Nachhaltigkeitsverständnis


Das Forschungszentrum legt ein starkes Nachhaltigkeitsverständnis als Orientierungsmaßstab zugrunde. Entsprechend werden intakte Öko- und Sozialsysteme als Grundlage für Gesellschaft verstanden, in welche sich die Ökonomie einbettet.

Definition

Nachhaltigkeit ist eine verantwortungsethische Konzeption, die soziale, umweltbezogene und wirtschaftliche Interessen unter Beachtung planetarer Grenzen begründungspflichtig nach dem Maßstab von Gerechtigkeit ausbalanciert und zur Geltung bringt.

Leitregeln

Stabile Ökosystemdienstleistungen sollen im Sinne intra- und intergenerationeller Gerechtigkeit möglichst allen gleichermaßen zur Verfügung stehen. Dies wird damit begründet, dass die Menschen auf unversehrte, leistungsfähige Ökosysteme angewiesen sind. Darüber hinaus werden der Natur Eigenrechte zuerkannt und damit patho- sowie biozentrische Argumente akzeptiert.

Soziale und kulturelle Anforderungen der Nachhaltigkeit sind eine gerechte Verteilung von Chancen, Teilhabe und Ressourcenverfügbarkeit. Infolgedessen sind durch menschliche Aktivitäten verursachte, nachteilige und irreversible Auswirkungen auf die Tragfähigkeit der Umwelt sowie soziale Ungleichheit zu vermeiden und bereits entstandene Umwelt- und Sozialkosten zu internalisieren.

Forschungsgegenstand

Mit Fokus auf Nachhaltigkeitstransformation und Nachhaltigkeitstransfer untersucht das Forschungszentrum unterschiedliche theoretisch-konzeptionelle und praktische Ausprägungen von Nachhaltigkeit. Inbegriffen ist auch die Beforschung von schwachen Nachhaltigkeitskonzepten, weil diese oftmals Voraussetzung für transformative Prozesse in Richtung starke Nachhaltigkeit sind. Diesem Credo folgend zieht das Forschungszentrum normative Referenzkonzepte heran, die gleichermaßen schwache bis mittelstarke Nachhaltigkeitsansprüche postulieren (z.B. Sustainable Development Goals, Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen) wie auch hochschuleigene Leitdokumente mit starkem Nachhaltigkeitsanspruch, z.B. die Grundsätze zur nachhaltigen Entwicklung an der HNEE.


Wissenschaftsverständnis


Das Forschungszentrum möchte den derzeitigen Zwischenstand zum eigenen Wissenschaftsverständnis offenlegen und gleichzeitig zur Kritik stellen:

Grundsätzlich wird im Forschungszentrum ein pluralistisches Wissenschaftsverständnis vertreten, d.h. es herrscht Offenheit gegenüber verschiedenen wissenschaftstheoretischen Zugriffen, die jedoch als Qualitätsmerkmal eine plausible wissenschaftliche Begründung aufweisen müssen.

Ausschlussprinzip

Als wissenschaftlich inakzeptabel angesehen werden dogmatische Positionen, intransparente Herleitungen, Letztbegründungsansprüche und Immunisierungsversuche gegenüber Kritik.

Inklusionsprinzip

Begrüßt werden wissenschaftsphilosophische Denkschulen mit hoher Begründungsqualität und Erklärungskraft wie der kritische Rationalismus nach Albert, der methodische Konstruktivismus nach Lorenzen oder die Methodik der wissenschaftlichen Forschungsprogramme nach Lakatos. Diese Denkschulen können je nach Fall, Situation und Erkenntnisanspruch auch miteinander kombiniert werden können, soweit sich keine logischen Widersprüche ergeben. Konsequenterweise wird das wissenschaftliche Methodenarsenal umfassend akzeptiert, z.B. zur Hypothesenbildung mit Zulässigkeit von Deduktion, Induktion, Abduktion sowie die Offenheit gegenüber geeigneten qualitativen und quantitativen Methoden.


Transformation – Nachhaltigkeitstransformation


Begriffsklärung

Unter Transformation wird im hier vorliegenden sozialwissenschaftlichen Verständnis ein gesellschaftlicher Wandel verstanden, in dem zentrale Muster, Elemente und Wechselwirkungen tiefgreifenden strukturellen und adaptiven Veränderungsprozessen unterworfen sind, wie z.B. Reformation, industrielle Revolution, kopernikanische Revolution. Charakteristisch für diese Prozesse ist ihre Komplexität, die sich durch Vielgestaltigkeit in Form und Verlauf, Dynamik, Mehrdimensionalität und Interaktion auf unterschiedlichen Skalenebenen zeigt.

Gegenstand von Transformation

Transformation umfasst gesellschaftliche Veränderungen auf der Mikro-, Meso- und Makroebene. Maßgeblicher Gegenstand sind politisch-administrative, sozio-kulturelle, ökologische und ökonomische Systeme. Transformation bezieht sich sowohl auf funktionale Subsysteme (z.B. Individuen, Organisationen, Institutionen) wie auch auf räumliche Subsysteme (z.B. lokal, regional, national, global). Diese Systeme sind jeweils durch bestimmte Eigenschaften geprägt, z.B. politische Sichtweisen, Normen und Beziehungen, Machtverhältnisse, soziale Netzwerke, physische Infrastrukturen oder technologische Verfahren.

Transformationsdynamik

Transformationsprozesse umfassen Rückkopplungsschleifen, Pfadabhängigkeiten, aber auch ungeplanten Vorkommnisse oder Disruptionen, so dass Wandel häufig nicht-linear und nicht zwangsläufig auf ein Ziel ausgerichtet ist. Folglich können Wandlungsprozesse sowohl unbeabsichtigt ablaufen als auch intendiert sein. In jedem Fall sind sie in ihrem Ergebnis normativ, zeitlich wie auch politisch, strukturell oder technisch weitreichend.

Transformationsanalyse

Eine Analyse von Transformationsprozessen erfordert eine fallspezifische Klärung (a) des zu untersuchenden Zeitraums, (b) der betrachteten Skalenebenen und Sub-Systeme, (c) der zu berücksichtigenden Akteurskonstellationen und Agenten des Wandels sowie (d) eine Abgrenzung der zu untersuchenden Prozesselemente.

Nachhaltigkeitstransformation

Das Forschungszentrum befasst sich zentral mit intendierter, d.h. bewusst angestoßener und gesteuerter Transformation in Richtung Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeitstransformation zielt darauf ab, die Bedingungen für nachhaltige Entwicklung zu schaffen und im Sinne des oben genannten Nachhaltigkeitsverständnisses soziale, umweltbezogene und wirtschaftliche Interessen unter Beachtung planetarer Grenzen begründungspflichtig nach dem Maßstab von Gerechtigkeit auszubalancieren. Solche Transformationsprozesse streben eine Anpassung von Systemen an, die u.a. erreicht werden kann durch Change Management, Diskurse und Konsensbildung, soziales Lernen und kollektives Handeln. Ebenso werden sie maßgeblich durch die Aktivität spezifischer Schlüsselakteure und -akteurinnen beeinflusst.

Das Forschungsinteresse richtet sich auf die Interaktionen und Auseinandersetzungen zwischen Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft und deren jeweilige Rollen sowie die intendierte Steuerung von transformativen Prozessen und Transferaktivitäten Richtung Nachhaltigkeit und deren Grenzen.


Transfer – Nachhaltigkeitstransfer


Begriffsklärung

Unter Transfer verstehen wir den freiwilligen Austausch von Technologien, Wissen, Ideen und Erfahrungen zwischen Hochschulen (als Sammelbegriff für Universitäten, Fachhochschu­len, Hochschulen für Angewandte Wissenschaften) und Akteuren aus der Praxis. Dieser Austausch erfolgt in den Feldern Lehre, Forschung und Third Mission.

Nachhaltigkeitstransfer

Nachhaltigkeitstransfer wird definiert als eine spezifische Form von Transfer, nämlich solche Praxis-Hochschul-Kooperationen, die einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung in der Gesellschaft leisten bzw. anstreben. Ein wesentliches Merkmal ist ein wechselseitiger Austausch zwischen Hochschule und Praxis, weil keine Akteursgruppe Nachhaltigkeit allein umsetzen kann. Ziele von Nachhaltigkeitstransfer sind erstens konkrete Beiträge zu nachhaltiger Entwicklung wie Projekte, Konzepte oder Diskussionen über Nachhaltigkeit. Zweitens geht es darum, die Handlungsfähigkeit der Transferpartner*innen zu stärken. Sie können voneinander lernen und Schlüsselkompetenzen für Nachhaltigkeit wie Innovationsfähigkeit, systemisches Denken und normative Kompetenz weiterentwickeln.

Merkmale

Anhand der folgenden Merkmale lässt sich Nachhaltigkeitstransfer genauer beschreiben:

  • Nachhaltigkeitsausrichtung der Transferaktivität

Die Nachhaltigkeitsausrichtung lässt sich näherungsweise bestimmen anhand explizit formulierter Nachhaltigkeitsziele zu den jeweiligen Transferaktivitä­ten, einer Abschätzung der (möglichen) Nachhaltigkeitswirkung und der freien Zugänglichkeit der Ergebnisse.

  • Phasen von Nachhaltigkeitstransfer

Nachhaltigkeitstransfer kann idealtypisch als Verlauf in vier Phasen skizziert werden:

  1. Initiierung von Transfer und Identifizierung der Akteure
  2. Konzeption und Ziele der Transferaktivität
  3. Umsetzung der Transferaktivität
  4. Ergebnissicherung und Dokumentation
  • Komplexitätsgrade von Nachhaltigkeitstransfer

Nachhaltigkeitstransfer kann danach unterschieden werden, wie komplex die Austauschbeziehung zwischen Hochschule und Praxis sind, womit jedoch noch keine Wertung über Qualität und Erfolg verbunden ist:


Komplexitätsgrade von Transfer

Nölting, B.; Molitor, H.; Reimann, J.; Skroblin, J.-H.; Dembski, N. (2020). Transfer for Sustainable Development at Higher Education Institutions—Untapped Potential for Education for Sustainable Development and for Societal Transformation. In: Sustainability 2020, 12(7), 2925. Open access: https://www.mdpi.com/2071-1050/12/7/2925