Gemeinsam für starke Reallaborforschung: Forschungseinrichtungen bereiten bundesweiten Verbund vor.

Gemeinsame Pressemitteilung der Gründungsmitglieder

Wie lässt sich Reallaborforschung so gestalten, dass sie langfristig wirksam zur Transformation von Agrar- und Ernährungssystemen beitragen kann? Um Erfahrungen und Kompetenzen in diesem dynamisch wachsenden Forschungsfeld stärker zu bündeln, bereiten neun Forschungsinstitutionen, auf Basis einer gemeinsamen Absichtserklärung, derzeit die Gründung eines deutschlandweiten Verbunds für Reallaborforschung in Agrar- und Ernährungssystemen vor. Im Rahmen einer Veranstaltung des Innovationszentrums für Agrarsystemtransformationen (IAT) in Gießen stellten die beteiligten Einrichtungen am 24. September die gemeinsame Initiative vor. Die formale Gründung des Verbunds soll noch vor Ende des Jahres erfolgen.

Der strategische Zusammenschluss will in die Entwicklung von Reallaboren als innovative Forschungsinfrastrukturen investieren, Erkenntnisse zur Forschung in und über Reallabore zusammenführen, gemeinsam Forschung voranbringen und geeignete strukturelle Rahmenbedingungen für Reallabore als Forschungsinfrastrukturen stärken. Der Verbund entsteht auf Initiative des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) mit dem IAT, zusammen mit acht weiteren Partnereinrichtungen als Gründungsmitglieder. 

Was sind Reallabore und warum sind sie wichtig?

Reallabore sind in der Agrarforschung Umgebungen, in denen Forschende gemeinsam mit Landwirtinnen und Landwirten, Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie weiteren Akteuren aus der Praxis und Politik neue Lösungen für reale Probleme identifizieren, entwickeln und erproben. Gemeinsames Experimentieren findet dabei häufig direkt auf dem Feld, in Betrieben oder in Regionen statt. Zugleich bringen Reallabore unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen zusammen und ermöglichen es, deren Wissen und Methoden miteinander zu verbinden. Ziel ist es, durch diese enge Verbindung einen maßgeblichen Beitrag zu nachhaltigen Veränderungen in der Praxis zu leisten. 

Dieser Ansatz gewinnt in der Forschung zu Agrar- und Ernährungssystemen zunehmend an Bedeutung und entwickelt sich derzeit sehr dynamisch. Zahlreiche Einrichtungen arbeiten an vergleichbaren methodischen, strukturellen und strategischen Fragen. Insbesondere für den Bereich der Agrar- und Ernährungssysteme stellen sich andere Herausforderungen als für Reallaborforschung beispielsweise im urbanen Raum.

Gemeinsam stärker: Ziele und Aktivitäten des Verbunds

Der geplante Verbund versteht sich als strategischer Zusammenschluss von Hochschulen und Forschungseinrichtungen auf nationaler Ebene. Im Mittelpunkt stehen nicht einzelne Reallabore, sondern Forschung in und über Reallabore und ihre Entwicklung als Infrastrukturen. Die Mitglieder wollen Erkenntnisse zur erfolgreichen Ausgestaltung von Reallaborforschung teilen und anwenden, gemeinsame Forschungsfragen und Gelingensbedingungen für Wirkung sichtbar machen und Strategien für die langfristige Verankerung von Reallaborforschung abstimmen. Zugleich will der Verbund dazu beitragen, geeignete institutionelle, politische und förderbezogene Rahmenbedingungen weiterzuentwickeln. Dabei ergänzt der Verbund bestehende Netzwerke und Initiativen.

“Mit dem geplanten Verbund wollen wir dazu beitragen, dass Forschende voneinander lernen und gemeinsame Forschungskonzepte entwickeln, die in geeignete Forschungsinfrastrukturen überführt werden. Gleichzeitig sollen die Kompetenzen für diese Art der Forschung sichtbar ausgebaut werden.", erklärt Prof. Bettina Matzdorf, Co-Leitung des IAT am ZALF. „Damit wollen wir unserem Anspruch gerecht werden, dass mit dieser Forschung deutschlandweit ein bedeutender Beitrag für die Entwicklung von nachhaltigen und resilienten Agrar- und Ernährungssystemen geleistet wird.“

Was bedeutet das für die Zukunft?

Laut der Absichtserklärung der Partnerinstitutionen, soll der Verbund noch vor Ende des Jahres 2026 formal gegründet werden. In den kommenden Monaten werden erste gemeinsame konkrete Aktivitäten entwickelt und umgesetzt, um basierend auf der gemeinsamen Zielsetzung möglichst schnell konkretes Handeln folgen zu lassen. Mit dem neuen Zusammenschluss sollen zukünftig zum einen Ergebnisse zu Fragen im Bereich landwirtschaftlicher Praxis, Wertschöpfung und der Gestaltung der Rahmenbedingungen aus verschiedenen Reallaboren und Regionen besser zusammengeführt werden – zum anderen Erkenntnisse zur Gestaltung gemeinsamer Forschung. Dies ermöglicht es auf beiden Ebenen, erfolgreiche Ansätze schneller zu identifizieren und in andere Regionen zu übertragen.  

Zudem soll die Vernetzung mit europäischen und internationalen Initiativen ausgebaut werden, zum Beispiel zur Stärkung des International Forums of Agricultural Living Labs, und um von Erfahrungen aus anderen Ländern zu lernen. Damit positioniert sich Deutschland als starker Partner einer Reallaborforschung im Agri-Food Systembereich. 

An der Vorbereitung des Verbunds beteiligen sich neun Partnerinstitutionen aus verschiedenen Bundesländern. Als zukünftige Gründungsmitglieder verfolgen sie Reallaborforschung im Bereich der Agrar- und Ernährungssysteme als zentralen Teil ihrer strategischen Ausrichtung. Der Verbund soll nach der Etablierungsphase auch weiteren Einrichtungen mit einem solchen strategischen Engagement offenstehen.

Verbundpartner (Gründungsmitglieder):

  • Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) - Initiator
  • Agrar-, Ernährungs- und Ingenieurwissenschaftliche Fakultät, Universität Bonn
  • Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL)
  • Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE)
  • Hochschule Geisenheim University
  • Johann Heinrich von Thünen-Instituts (Thünen-Institut)
  • Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU)
  • Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB), Potsdam
  • Universität Kassel

Kontaktperson:

Hendrik Schneider
Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: + 49 (0) 33432 82-242
Mobil: + 49 (0) 151 405 455 00
E-Mail: public.relations(at)zalf.de

Fachkontakt

Bettina Matzdorf

Co-Leitung Innovationszentrum für Agrarsystemtransformation (IAT)
Telefon: + 49 (0) 33432 82-150
E-Mail: bettina.matzdorf(at)zalf.de