Zahlungen für Waldökosystemleistungen - LIFE-Projekt ProForPES empfiehlt
Der abschließende Policy Brief des Projekts ist erschienen. Er bündelt Empfehlungen dazu, wie PES-Mechanismen (Payments for Ecosystem Services, kurz PES) in europäische Förderprogramme integriert werden können.
Wälder erbringen wichtige Leistungen für Mensch, Natur und Klima: Sie sichern sauberes Wasser, schützen vor Hochwasser und Erosion, binden Kohlenstoff und bewahren biologische Vielfalt. Wie diejenigen unterstützt werden können, die diese Leistungen durch den Schutz und die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder sichern, stand im Mittelpunkt des europäischen Projekts LIFE ProForPES. Mit seinem abschließenden Policy Brief legt das Projekt nun konkrete Leitlinien und Empfehlungen vor, wie Zahlungen für Ökosystemleistungen (Payments for Ecosystem Services, kurz PES) stärker in europäische Förderprogramme eingebunden werden können.
Das von der Europäischen Kommission im Rahmen des LIFE-Programms geförderte Projekt ProForPES wurde ins Leben gerufen, um das auf EU-Ebene bereits vorhandene Wissen und Know-how zu PES-Systemen im Forstsektor zusammenzutragen, aufzubereiten und zusammenzuführen. Durch die Zusammenarbeit spezialisierter Unternehmen, Institute und Universitäten entstand ein Netzwerk von Fachleuten für PES im Forstbereich aus fünf europäischen Ländern: Italien, Finnland, Spanien, Österreich und Deutschland.
Über einen Zeitraum von drei Jahren (2023–2026) untersuchte das Projekt aktuelle EU-Politiken und Finanzierungsprogramme und führte einen umfassenden Konsultationsprozess mit zentralen Interessengruppen durch. Ziel war es, Empfehlungen für Politik und Wirtschaft zur Einbindung und zum Potenzial von PES-Systemen in Europa zu entwickeln. Dafür analysierte das Projekt mehr als 100 PES-Projekte in ganz Europa und bezog über 120 Akteur*innen aktiv in die Konsultationen und die gemeinsame Entwicklung der Empfehlungen ein.
Zum Projektverbund gehören die Universität Padua (Koordination) und Etifor | Valuing Nature – beide in Italien –, das Europäische Forstinstitut (EFI) mit Standorten in Deutschland, Finnland und Spanien, die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) sowie die Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) in Österreich.
Der abschließende Policy Brief fasst die Ergebnisse des ausführlicheren Projektberichts Guidelines and Recommendations for Future Funding Programmes zusammen. Im Mittelpunkt stehen zwei Kernprioritäten, die beide darauf abzielen, Waldökosystemleistungen einen stärkeren Stellenwert in der europäischen Förderpolitik zu verschaffen.
- Die erste Empfehlung sieht einen eigenständigen europäischen Rahmen für PES im Forstbereich vor. Ein solcher Rahmen soll bestehende Förderströme nicht ersetzen, sondern auf ihnen aufbauen. Er soll längere Vertragslaufzeiten, flexiblere Zahlungsmodelle und einen landschaftsbezogenen Ansatz ermöglichen, der der tatsächlichen Funktionsweise von Wäldern besser entspricht.
- Die zweite Empfehlung richtet den Blick auf die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) und fordert dort einen stärkeren Fokus auf Wälder: durch größere und klarer ausgewiesene Budgets, einen leichteren Zugang für Waldbewirtschaftende und einen gezielteren Einsatz von PES als Instrument zum Erreichen von Biodiversitätszielen.
Ergänzend zu diesen beiden Prioritäten formuliert der Policy Brief zehn weitere Empfehlungen, die konkretisieren, wie ein solcher Rahmen in der Praxis funktionieren könnte. Gemeinsam beziehen sie sich auf drei Bereiche, die das Projekt als entscheidend für den Erfolg von PES im Forstbereich identifiziert hat: die Ausgestaltung der Systeme – von Zahlungsmodellen bis zu Monitoringsystemen; ihre Steuerung und Kommunikation – einschließlich Fragen von Fairness, Teilhabe und öffentlichem Bewusstsein; sowie ihre Einbindung in den breiteren Kontext der europäischen Umwelt- und Landnutzungspolitik – von Klimastrategien bis zum Natura-2000-Netzwerk. Der vollständige Bericht ist online verfügbar und erläutert jede dieser zehn Empfehlungen ausführlich.
„Die Forschung liefert uns immer belastbarere Hinweise darauf, wie Systeme für Zahlungen für Ökosystemleistungen (PES) bestmöglich ausgestaltet und in die Praxis umgesetzt werden können. Die Herausforderung bleibt jedoch, PES stärker in der europäischen Waldpolitik und -praxis zu verankern. ProForPES stellt dafür wertvolle Hilfen bereit: evidenzbasierte und zugleich praxisnahe Handlungsempfehlungen für Entscheidungsträger*innen.“
— Sven Wunder, Leitender Wissenschaftler, Europäisches Forstinstitut (EFI)
Das Projekt endet im Sommer 2026. Seine Ergebnisse, Daten und Empfehlungen sowie das in den vergangenen drei Jahren entstandene Kontaktnetzwerk bleiben jedoch auch nach Projektende auf der Website verfügbar.
Der vollständige Policy Brief steht hier zur Verfügung: https://www.lifeproforpes.eu/sdc_download/637/?key=cvm2kzn8zu4qgdyzxs68mgn5ng0xxi
Weitere Informationen: Martina Doppio, Kommunikationsmanagerin — Etifor | Valuing Nature, martina.doppio@etifor.com
LIFE ProForPES (Fördervereinbarung Nr. 101086509) ist ein vorbereitendes Projekt im LIFE-Programm der Europäischen Union. Koordiniert wird es von der Universität Padua (UNIPD) in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Forstinstitut (EFI), der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE), der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) und Etifor | Valuing Nature.
Projektwebsite: www.lifeproforpes.eu
Dieses Projekt wurde aus Mitteln des LIFE-Programms der Europäischen Union finanziert. Die geäußerten Ansichten liegen in der alleinigen Verantwortung der Autor*innen und spiegeln nicht notwendigerweise die Auffassung der Europäischen Union oder der Exekutivagentur CINEA wider.