Deutschlands berühmtester Elch ist tot - Senderelch “Bert” im Alter von 10 Jahren verendet

Fast neun Jahre lang haben Wildbiologen der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) den Elch „Bert“ wissenschaftlich begleitet. Nun ist das außergewöhnliche Wildtier im Alter von zehn Jahren verstorben. Durch die langjährige telemetrische Überwachung hinterlässt Bert einen außerordentlich wertvollen wissenschaftlichen Datensatz zu Raumnutzung und Verhalten von Elchen in Deutschland.

Deutschlands wohl bekanntester Elch ist tot. Senderelch „Bert“, der seit Februar 2018 von Wildbiologen der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) wissenschaftlich begleitet wurde, ist am vergangenen Wochenende verstorben.

Ab Samstagmorgen registrierten die Wissenschaftler keine Ortsveränderungen des Elches mehr. Am Sonntagmorgen gegen 6 Uhr übermittelte sein GPS-Halsbandsender schließlich ein Mortalitätssignal. Bert wurde daraufhin unmittelbar geborgen und einer pathologischen Untersuchung zugeführt.

Die Sektion erfolgte am Montag, dem 21. September, am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin unter Leitung der Tierpathologin Dr. Gudrun Wibbelt. Dabei wurden schwere innere Verletzungen infolge eines stumpfen Traumas festgestellt, an deren Folgen der Elch schließlich verstarb. Wie es zu diesen Verletzungen kam, lässt sich im Nachhinein nicht mehr eindeutig feststellen.

Bert hielt sich zum Zeitpunkt seines Todes – wie bereits in den vergangenen Jahren – während der Brunftzeit auf einer Rinderweide auf. Dort war es in der Vergangenheit vereinzelt auch zu Interaktionen mit Rindern gekommen. Gleichzeitig hielt sich in den Tagen vor Berts Tod ein weiterer Elchbulle in seinem Streifgebiet auf. Noch am Freitag wurde dieser nur etwa 100 Meter von Bert entfernt beobachtet und gefilmt. Begegnungen zwischen Elchbullen können während der Brunft mit körperlichen Auseinandersetzungen verbunden sein. Auch einige bei der pathologischen Untersuchung festgestellte äußere Verletzungen könnten mit einer solchen Auseinandersetzung in Zusammenhang stehen. Welche Einwirkung letztlich das tödliche Trauma verursacht hat, bleibt jedoch offen.

Auch das Auftauchen eines zweiten Elchbullen im langjährigen Streifgebiet von Bert ist für die Wissenschaftler eine bemerkenswerte Beobachtung. Der jüngere Bulle hat das Gebiet inzwischen wieder verlassen und ist weiter in nordöstliche Richtung gezogen.

Bert wurde 2016 in Nordostpolen geboren und befand sich damit in seinem elften Lebensjahr. Erstmals nachgewiesen wurde er im Februar 2018 im südlichen Brandenburg. Seitdem begleiteten ihn die Wildbiologen Dr. Frank-Uwe Michler von der HNEE und Dr. Benjamin Gillich, seinerzeit ebenfalls HNEE und heute an der Landeskompetenzstelle Forst Eberswalde (LFE), praktisch über sein gesamtes Leben in Deutschland.

In den knapp neun Jahren seiner wissenschaftlichen Begleitung trug Bert insgesamt fünf verschiedene GPS-Halsbandsender. Damit zählt er zu den weltweit am längsten telemetrisch überwachten Elchen. Die kontinuierlich gewonnenen Ortungsdaten ermöglichen außerge-wöhnlich detaillierte Einblicke in das Raum- und Wanderverhalten eines Elches in der mitteleuropäischen Kulturlandschaft.

Eine besondere Bedeutung hatte Bert auch deshalb, weil er bislang der einzige bekannte Elch war, der sich dauerhaft in einem festen Streifgebiet in Deutschland etabliert hatte. Nachdem er in seinen ersten Jahren größere Wanderungen unternommen hatte, fand er im Frühjahr 2019 im Naturpark Nuthe-Nieplitz seine dauerhafte Heimat. Dort nutzte er jährlich ein Streifgebiet von durchschnittlich rund 10.000 Hektar.

Im Laufe der Jahre wurde der imposante Elch weit über die Region hinaus bekannt. Im Naturpark Nuthe-Nieplitz entwickelte er sich zu einem regelrechten Maskottchen und wurde von vielen Menschen immer wieder beobachtet und fotografiert.

Für die beteiligten Wissenschaftler ist sein Tod deshalb nicht nur aus wissenschaftlicher Sicht ein großer Verlust.

„Wir haben Bert seit seinem ersten Auftauchen in Deutschland im Februar 2018 begleitet und über all die Jahre unglaublich viel durch ihn gelernt. Fast neun Jahre lang wussten wir praktisch jeden Tag, wo er sich aufhielt und wie er seinen Lebensraum nutzte. Ein einzelnes Wildtier über einen derart langen Zeitraum wissenschaftlich begleiten zu dürfen, ist etwas ganz Besonderes. Bert hat uns einen unschätzbar wertvollen Datensatz hinterlassen – nach so vielen Jahren ist er für uns längst weit mehr gewesen als ein Datenpunkt. Sein Tod macht uns sehr traurig“, sagt Dr. Frank-Uwe Michler von der HNEE.

Gemeinsam mit Benjamin Gillich begleitete Michler den Elch von seinem ersten Nachweis in Deutschland bis zu seinem Tod. Die über viele Jahre gesammelten Telemetriedaten sollen nun weiter wissenschaftlich ausgewertet werden. Sie dokumentieren nahezu lückenlos einen außergewöhnlich langen Abschnitt im Leben eines freilebenden Elches und liefern wichtige Erkenntnisse darüber, wie die größte Hirschart der Welt in der dicht besiedelten Kulturlandschaft Deutschlands lebt.

Berts Geschichte endet nach fast neun Jahren wissenschaftlicher Begleitung – doch sein nahezu lückenlos dokumentiertes Leben hinterlässt einen außergewöhnlichen wissenschaftlichen Datensatz und wird die Elchforschung noch lange beschäftigen.