Von Eberswalde in die Welt: 20 Jahre Studiengang Global Change Management

Von der internationalen Klimapolitik über Forschung und Entwicklungszusammenarbeit bis zu nachhaltigen Lieferketten: Absolvent*innen des Masterstudiengangs Global Change Management (GCM) der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) arbeiten heute weltweit an den Herausforderungen des globalen Wandels. Seit 20 Jahren bereitet der englischsprachige Masterstudiengang Menschen darauf vor, komplexe Umwelt- und Gesellschaftsveränderungen zu analysieren und Lösungen mitzugestalten. Das Jubiläum ist Anlass für einen Blick auf zwei Jahrzehnte GCM – und auf die Wege, die von Eberswalde aus in ganz unterschiedliche Berufsfelder geführt haben.

Als der Masterstudiengang GCM 2006 an der damaligen Fachhochschule Eberswalde startete, lag das Pariser Klimaabkommen noch neun Jahre in der Zukunft. Viele der Herausforderungen, die heute die politische und gesellschaftliche Debatte bestimmen, standen jedoch schon damals im Zentrum des neuen Studiengangs: Klimawandel, der Verlust biologischer Vielfalt und natürlicher Ressourcen sowie die Frage, wie Gesellschaften mit komplexen Veränderungsprozessen umgehen können.

20 Jahre später sind diese Fragen drängender denn je. Was sich verändert hat, sind ihr Ausmaß, ihre gesellschaftliche Wahrnehmung – und die beruflichen Felder, in denen Antworten darauf gesucht werden. Einen Eindruck davon vermitteln die Wege der inzwischen zahlreichen GCM-Absolvent*innen.

Gerrit Hansen gehörte zu den frühen Studierenden des Studiengangs. Bereits 2008 erhielt sie gemeinsam mit ihrem Kommilitonen Eric Fee den ersten Preis der Hochschulinitiative „Zwischen Hörsaal und Projekt“. Heute arbeitet Hansen an der Schnittstelle von Klimaforschung und internationaler Politik. Zu ihren beruflichen Stationen gehören unter anderem das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Germanwatch und die Robert Bosch Stiftung; zudem war sie an der Arbeit des Weltklimarates IPCC beteiligt. Heute ist sie unter anderem als Autorin für das Earth Negotiations Bulletin des International Institute for Sustainable Development tätig. 

Einen ganz anderen Weg führte GCM-Absolventin Jeraporn Rothong in die internationale Wirtschaft. Bei Patagonia beschäftigte sie sich im Bereich Social & Environmental Responsibility mit sozialen und ökologischen Bedingungen entlang globaler Lieferketten. Ihre Arbeit führte sie unter anderem in Produktionsstätten in Sri Lanka, Bangladesch, Thailand und Indien, wo sie beispielsweise an der Verbesserung von Beschwerdemechanismen und Arbeitsbedingungen für Beschäftigte mitwirkte.

Wie unmittelbar Studium, Forschung und späteres Berufsfeld ineinandergreifen können, zeigt auch der Weg von Carina Zell-Ziegler. Im Rahmen ihres GCM-Studiums untersuchte sie bei Germanwatch, welchen Anteil die EU durch den Import von Rindfleisch und Soja an der Entwaldung in Brasilien und den damit verbundenen CO₂-Emissionen hat. Für ihre Masterarbeit erhielt sie 2013 den „Förderpreis Wissenschaft“ der Gregor Louisoder Umweltstiftung. Heute ist sie Senior Researcher im Bereich Energie und& Klimaschutz am Öko-Institut und beschäftigt sich unter anderem mit Suffizienz und klimapolitischen Instrumenten.

Drei berufliche Wege, die unterschiedlicher kaum sein könnten – und doch denselben Ausgangspunkt haben: den Masterstudiengang GCM an der HNEE.

Ein Studiengang für komplexe Fragen

Von Beginn an war GCM darauf ausgerichtet, globale Umweltveränderungen nicht isoliert zu betrachten. Naturwissenschaftliche Zusammenhänge werden mit gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Perspektiven verbunden. Studierende lernen, komplexe Systeme zu analysieren, Risiken einzuschätzen und Strategien für Veränderungsprozesse zu entwickeln.

Gründungsstudiengangsleiter war Prof. Dr. Pierre L. Ibisch. Bereits in der Konzeption setzte der Studiengang auf die Zusammenarbeit mit Partner*innen außerhalb der Hochschule. Bis heute gehören Institutionen wie das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Germanwatch, NABU, die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und die Münchener Rück Stiftung zum Netzwerk des Studiengangs. Sie bringen Expertise in die Lehre ein und eröffnen Möglichkeiten für Forschungsprojekte und den direkten Einblick in unterschiedliche Berufsfelder.

Ein wichtiger Bestandteil des Studiums ist bis heute die Arbeit außerhalb des Hörsaals. Im Rahmen eines Forschungsprojekts vertiefen die Studierenden ihre fachlichen Kenntnisse an einer Einrichtung in Deutschland oder im Ausland und erhalten zugleich Einblicke in mögliche spätere Arbeitsfelder.

Internationalität gehört dabei seit Beginn zum Konzept von GCM. Die Hälfte der Studienplätze ist für Bewerber*innen aus Nicht-EU-Staaten vorgesehen. In Eberswalde treffen dadurch unterschiedliche fachliche, kulturelle und gesellschaftliche Perspektiven unmittelbar aufeinander – eine Vielfalt, die das gemeinsame Lernen prägt und die Absolvent*innen später in ihre berufliche Arbeit in unterschiedlichen Teilen der Welt mitnehmen.

Die internationale Ausrichtung des Studiengangs spiegelt sich auch in den Auszeichnungen seiner Studierenden wider. Zwischen 2016 und 2020 ging der DAAD-Preis der HNEE fünf Jahre in Folge an GCM-Studierende aus Bangladesch, Usbekistan, Albanien, Großbritannien und Mexiko. 2024 wurde mit Sander Claes aus Belgien erneut ein GCM-Student ausgezeichnet.

Nach dem Studium setzen die Absolvent*innen ihre Kenntnisse in einem breiten Spektrum beruflicher Felder ein. GCM-Alumni arbeiten in Forschung und Politikberatung, in Ministerien und Fachbehörden, bei internationalen Organisationen, in Nichtregierungsorganisationen wie Germanwatch und WWF sowie in Unternehmen – darunter auch Weinrich Schokolade, das den Studiengang unterstützt. Ihre Tätigkeitsfelder reichen von Klimaschutz und Biodiversität über internationale Zusammenarbeit bis hin zu nachhaltigem Wirtschaften. Gemeinsam ist vielen dieser Wege die Arbeit an gesellschaftlichen und ökologischen Veränderungsprozessen.

Einer von ihnen ist Sönke Kreft. Der GCM-Alumnus leitet heute als Executive Director die Munich Climate Insurance Initiative am Institute for Environment and Human Security der United Nations University. Dort befasst er sich unter anderem mit Ansätzen, Menschen und Gemeinschaften besser gegen die finanziellen Folgen von Klimarisiken abzusichern.

Am 02. Oktober 2026 kamen auf dem Waldcampus der HNEE ehemalige und aktuelle Studierende, Lehrende sowie Partnerorganisationen zusammen, um das 20-jährige Bestehen des Studiengangs zu feiern. Dabei ging der Blick nicht nur zurück. Gemeinsam diskutierten sie, wie sich GCM und Nachhaltigkeitsbildung angesichts neuer und sich verschärfender Herausforderungen weiterentwickeln müssen.

Studiengangsleiter Prof. Dr. Martin Welp und Gründungsstudiengangsleiter Prof. Dr. Pierre L. Ibisch blickten auf die Entwicklung des Studiengangs und der globalen Herausforderungen zurück, die ihn seit seiner Gründung begleiten. Alumni und Partnerorganisationen brachten ihre Erfahrungen ein; in einem World Café wurden Perspektiven für die kommenden Jahre entwickelt.

Hinweise zum Bildmaterial:
Das hier zur Verfügung stehenden Fotos können im Rahmen der Berichterstattung verwendet werden. Bitte beachten Sie den Copyright-Hinweis © HNEE | Florian Reischauer