Gender Equality Lab bringt Tourismusbranche zusammen
Faire Karrierechancen für alle Geschlechter, unbewusste Vorurteile, Unternehmenskultur und finanzielle Unabhängigkeit standen im Mittelpunkt des ersten Gender Equality Lab in Berlin. Rund 40 Mitarbeitende, Führungskräfte und Geschäftsführende aus der Tourismusbranche kamen bei Chamäleon Reisen zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, bestehende Strukturen zu hinterfragen und konkrete Ansätze für mehr Geschlechtergerechtigkeit zu entwickeln.
Am 25. September diskutierte die Tourismusbranche in Berlin über faire Karrierechancen, reflektierte Rollenbilder und setzte sich mit der Bedeutung finanzieller Unabhängigkeit insbesondere für Frauen auseinander. Die Veranstaltung bildete den Auftakt für das neue Werkstattformat im Rahmen des HNEE-Projekts „LEAD³ – Learn.Empower.Advance.Develop.“ unter der Leitung von Prof. Dr. Claudia Brözel. Unterstützt wird das Projekt vom Deutschen Reiseverband (DRV) und vom Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW).
DRV-Hauptgeschäftsführer Achim Wehrmann und BTW-Generalsekretär Sven Liebert unterstrichen zum Auftakt die Bedeutung des Themas für die Branche und begleiteten die Veranstaltung über den gesamten Tag.
„Die Tourismusbranche lebt von Vielfalt, Offenheit und den Menschen, die sie gestalten. Umso wichtiger ist es, dass Frauen und Männer die gleichen Chancen haben, Verantwortung zu übernehmen, Karriere zu machen und ihre Potenziale einzubringen. Das Gender Equality Lab setzt genau hier an: Es bietet wichtige Impulse für die Praxis und einen Raum für ehrlichen Austausch und konkrete Ideen, wie wir faire Rahmenbedingungen in unseren Unternehmen und Organisationen weiter stärken können“, so Sven Liebert, Generalsekretär des BTW.
„Geschlechtergerechtigkeit ist kein reines Frauenthema. Wirkliche Chancengleichheit gelingt nur, wenn sich Frauen wie Männer einbringen. Das gilt insbesondere für Führungskräfte, die Verantwortung für Personal, Unternehmenskultur und Entwicklungsmöglichkeiten tragen“, erklärt Achim Wehrmann, Hauptgeschäftsführer des DRV. „Das Gender Equality Lab schafft einen wichtigen Raum, um offen über bestehende Hürden zu sprechen, unterschiedliche Erfahrungen sichtbar zu machen und gemeinsam konkrete Veränderungen anzustoßen.“
Zum Auftakt standen Zahlen und strukturelle Zusammenhänge im Mittelpunkt. Im Fakten-Check von Anne Rösener (PEOPLE MIND) wurde deutlich, dass nur 29,1 Prozent der Führungspositionen in Deutschland mit Frauen besetzt sind und Deutschland damit unter dem EU-Durchschnitt von 35,2 Prozent liegt (Statistisches Bundesamt, 2025). Rösener beleuchtete zudem, wie hartnäckig sich unbewusste Vorurteile und stereotype Rollenbilder halten. Zugleich zeigte sie eine andere Perspektive auf Macht auf: als Möglichkeit, Menschen zu befähigen und zu unterstützen.
Im Anschluss verdeutlichte Claudia Müller (Female Finance Forum) in ihrem Impulsvortrag, wie eng berufliche Entwicklung und finanzielle Ungleichheit miteinander verbunden sind – vom Gender Pay Gap über den Gender Pension Gap bis hin zu einem möglichen Gender Lifetime Earnings Gap von über einer Million Euro. Sie betonte deshalb die Bedeutung des Vermögensaufbaus für Frauen, um langfristig finanziell unabhängig zu bleiben und stellte fünf Schritte auf dem Weg dorthin vor.
„Über Macht und Geld sprechen Frauen noch zu selten. Genau das haben wir im Gender Equality Lab getan. Beides verstehen wir als Befähigung: Macht, um Entscheidungen mitzugestalten, und Geld, um unabhängig zu bleiben. Unternehmen tragen dafür Verantwortung, denn faire Strukturen und faire Bezahlung sind die Voraussetzung, dass aus ‚Macht über‘ ‚Macht mit‘ wird“, sagt Prof. Dr. Claudia Brözel, LEAD³-Projektleitung und Professorin für Tourismusökonomie und Leitung des Studienganges Nachhaltiges Tourismusmanagement an der HNEE.
Am Nachmittag rückten die persönlichen Erfahrungen der Teilnehmenden in den Mittelpunkt. In der Fallstudien-Werkstatt sprachen sie in Kleingruppen offen über konkrete Situationen der Ungleichbehandlung im Arbeitsalltag, teilten eigene Erfahrungen, reflektierten das zuvor Gehörte und berieten sich kollegial. Gemeinsam entwickelten sie Ideen, wie sich Betroffene in unfairen Situationen Gehör verschaffen und bestehende Strukturen hinterfragen können.
In der anschließenden Transfer-Werkstatt hielt jede und jeder zunächst für sich fest, was im eigenen Arbeitsumfeld umgesetzt, verändert oder angestoßen werden soll. Im gemeinsamen Austausch wurden diese Vorhaben anschließend weiter konkretisiert.
Der große Gesprächsbedarf rund um Geschlechtergerechtigkeit und faire Karrierechancen zeigte sich auch im durchweg positiven Feedback der Teilnehmenden. Neben den fachlichen Impulsen wurde insbesondere der offene und persönliche Austausch als wertvoll hervorgehoben.
Auf der Projekt-Website gibt es eine Bildergalerie sowie eine Pressemeldung über den Tag. Außerdem schildern einige Teilnehmende im Video ihre Eindrücke vom Tag:
https://empowher.today/blog/gender-equality-lab
Das Gender Equality Lab war die erste von insgesamt drei geplanten öffentlichen Veranstaltungen im Rahmen von LEAD³. Die nächste Veranstaltung ist für Herbst 2027 vorgesehen.