Vom Studium zur Professur: HNEE-Absolvent kehrt als Professor zurück
Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) begrüßt einen neuen Professor für Waldwachstum und Modellierung. Nach Stationen am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und am Thünen-Institut für Waldökosysteme kehrt Prof. Dr. Nikolai Knapp an die Hochschule zurück, an der er selbst den Masterstudiengang Forest Information Technology (FIT) absolviert hat. Im Mittelpunkt seiner Arbeit stehen die Modellierung der Waldentwicklung, moderne Fernerkundungsmethoden und die Frage, wie sich Wälder besser an den Klimawandel anpassen lassen.
Für Prof. Dr. Nikolai Knapp ist die Berufung an die HNEE auch eine persönliche Rückkehr. Aufgewachsen in Unterfranken, studierte er zunächst Biologie an der Universität Würzburg. Sein Interesse galt vor allem der Tropenbiologie und der Feldforschung in tropischen Regenwäldern. Angesichts von Entwaldung und Klimawandel rückten zunehmend die ökologische Modellierung und Fernerkundung in seinen Blick. 2012 führte ihn diese Fokussierung nach Eberswalde, wo er den internationalen Masterstudiengang Forest Information Technology abschloss.
„Das FIT-Studium war für mich persönlich der Türöffner in die wissenschaftliche Karriere“, sagt Prof. Dr. Knapp. Die Verbindung von biologischem Fachwissen mit IT-Werkzeugen und Data-Science-Methoden habe ihm neue Perspektiven eröffnet. Aus seiner Masterarbeit entwickelte sich unmittelbar die Möglichkeit zur Promotion am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig. Dort beschäftigte er sich mit der Modellierung tropischer Wälder und der Lidar-Fernerkundung, einer Methode zur dreidimensionalen Erfassung von Waldstrukturen.
Am UFZ war er unter anderem an der Entwicklung des Waldwachstumsmodells FORMIND beteiligt und forschte in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der NASA zur satellitengestützten Erfassung von Waldstrukturen. Später wechselte er an das Thünen-Institut für Waldökosysteme in Eberswalde. Dort befasste er sich insbesondere mit der bundesweiten Waldzustands- und Bodenzustandserhebung sowie mit den Auswirkungen von Trockenheit auf die Vitalität und Sterblichkeit von Bäumen. Zuletzt arbeitete er im Projekt ForestPulse an der Bereitstellung flächendeckender, fernerkundungsbasierter Waldinformationen für Deutschland.
In seiner Professur möchte Prof. Dr. Knapp die biologischen und mathematischen Grundlagen des Waldwachstums mit modernen Simulationsmethoden verbinden. Studierende sollen lernen, wie sich die Entwicklung von Waldbeständen modellieren und unter unterschiedlichen Umwelt- und Klimabedingungen prognostizieren lässt. Lehren wird er in mehreren forstwissenschaftlichen Studiengängen wie Forstwirtschaft (FoWi), International Forest Ecosystem Management (IFEM), Forest Information Technology (FIT), Forest System Transformation (FST) sowie im Studiengang Global Change Management (GCM).
Ein besonderer Schwerpunkt seiner künftigen Forschung liegt auf sogenannten digitalen Zwillingen des Waldes. Dabei sollen Informationen aus Fernerkundung, Waldmonitoring und Wachstumsmodellen zusammengeführt werden, um die Entwicklung von Waldbeständen möglichst praxisnah simulieren zu können.
Seine Vision: Waldwachstumsmodelle sollen künftig so einfach zugänglich sein, dass sie auch in der forstlichen Praxis ohne aufwendige Datenaufbereitung eingesetzt werden können. „Die Benutzung von Waldmodellen sollte irgendwann nicht mehr aufwendiger sein als das Lesen von Ertragstafeln“, beschreibt er sein Ziel.
Für Forschung und Lehre sieht der neuberufene Professor Anknüpfungspunkte zu den Fachgebieten Waldbau, Waldökologie, Bodenkunde, Waldmesslehre, Fernerkundung und Data Science. Auch die räumliche Nähe zum Landesbetrieb Forst Brandenburg und zum Thünen-Institut bietet aus seiner Sicht hervorragende Voraussetzungen für gemeinsame Projekte und eine praxisnahe Ausbildung.
In Forschung und Lehre ist Prof. Dr. Knapp bereits seit vielen Jahren mit der HNEE verbunden. Seit 2016 bietet er regelmäßig ein Wahlpflichtmodul zur Lidar-Fernerkundung im Studiengang FIT an. Mit seiner Berufung kann er die Lehre und Forschung an seiner ehemaligen Hochschule mitgestalten. „Dass ich nun dauerhaft die Lehre an der HNEE mitgestalten und die Inhalte von FIT aber auch der anderen Forststudiengänge mitprägen kann, erfreut mich sehr.“