Zweite Startup Challenge: Gewinnerteams bringen neue Technologien in die industrielle Praxis
Die Gewinnerteams der zweiten Startup Challenge Schwedt stehen fest: Ligaro, Revoltech und Spark e-Fuels haben die Fachjury mit ihren Konzepten für „Nachhaltige Materialien in der Prozessindustrie“ überzeugt. Nach einer dreimonatigen Konzeptphase können sie ihre Technologien nun am Industriestandort Schwedt weiterentwickeln und unter realen Bedingungen erproben. Dafür stehen Forschungs- und Entwicklungsaufträge von jeweils bis zu 300.000 Euro zur Verfügung.
Zehn Teams aus Deutschland und Polen hatten seit Juni drei Monate Zeit, ihre technologischen Ansätze gemeinsam mit dem Startup Labor und den beteiligten Industriepartnern zu konkreten Pilotvorhaben für Schwedt weiterzuentwickeln. Beim Pitch Day am 23. September 2026 präsentierten sie ihre Konzepte der Fachjury. Im Mittelpunkt standen Technologien, die fossile Rohstoffe ersetzen, industrielle Rest- und Recyclingstoffe nutzbar machen oder neue kreislauffähige Materialien und Produktionsverfahren ermöglichen. Entscheidend war dabei auch die Frage, wie sich die Lösungen unter den Bedingungen des Industriestandorts praktisch erproben und perspektivisch in industrielle Prozesse integrieren lassen.
Die Startup Challenge ist ein zentrales Format des Startup Labors Schwedt, eines gemeinsamen Projekts der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE), der LEIPA Group GmbH (LEIPA) und der PCK Raffinerie GmbH (PCK). Das Startup Labor bringt wissenschaftlichen Transfer, junge Technologieunternehmen und die etablierte Industrie gezielt zusammen, um neue Lösungen für die Transformation des Industriestandorts Schwedt in die Anwendung zu bringen.
Die bereits an der ersten Challenge beteiligten Industriepartner sind auch dieses Mal wieder mit dabei. Neben PCK und LEIPA beteiligen sich ENERTRAG SE und VERBIO SE. Die vier Unternehmen stellen den Startups industrielle Infrastruktur, Stoff- und Energieströme sowie fachliches Know-how zur Verfügung. Dadurch können die Teams ihre Technologien nicht nur konzeptionell weiterentwickeln, sondern konkrete Anwendungsszenarien für Schwedt erarbeiten und ausgewählte Lösungen im industriellen Umfeld erproben.
Die HNEE bringt ihre wissenschaftliche Expertise unmittelbar in das Startup Labor ein: Prof. Dr. Uwe Demele, Professor für Responsible Business Management und ökologische Nachhaltigkeit, begleitet das Projekt wissenschaftlich. Gemeinsam mit Industriepartnern und Startups werden so wissenschaftliche Perspektiven, praktische Erfahrung und innovative technologische Ansätze verbunden, um tragfähige Lösungen für die Transformation des Industriestandorts zu entwickeln und in die Anwendung zu bringen.
Prof. Dr. Matthias Barth, Präsident der HNEE: „Nachhaltige Transformation gelingt dann, wenn die richtigen Partner zusammenkommen, unterschiedliche Kompetenzen ineinandergreifen und innovative Ideen den Raum bekommen, sich in der Praxis zu bewähren. Genau dafür steht das Startup Labor Schwedt: Wissenschaft, etablierte Industrie und junge Technologieunternehmen bringen ihre jeweiligen Stärken ein und entwickeln gemeinsam Lösungen, die am Standort konkret erprobt werden können. So entstehen neue Perspektiven für einen zukunftsfähigen und wettbewerbsfähigen Industriestandort Schwedt – und zugleich Erkenntnisse und Lösungsansätze, die auch für andere Industrieregionen relevant sein können. Als Hochschule für angewandte Wissenschaften sehen wir unsere Aufgabe darin, solche Verbindungen zu schaffen und gemeinsam mit starken Partnern neue Lösungswege wissenschaftlich zu begleiten und auf ihrem Weg in die Anwendung zu unterstützen.“
Die Voraussetzungen dafür sind in Schwedt besonders gut: Der Standort ist ein industrielles Zentrum im Nordosten Brandenburgs mit mehr als 3.000 Arbeitsplätzen in der Mineralölverarbeitung, Papierherstellung und Raffinierung regionaler Biomasse sowie einer Vielzahl industrieller Dienstleistungsunternehmen. Gleichzeitig steht die Region vor der Aufgabe, ihre industrielle Wertschöpfung klimaneutral und kreislauforientiert weiterzuentwickeln.
Dafür verfügt die Region über Potenziale, die für den Einsatz neuer Technologien unmittelbar nutzbar sind: erneuerbare Energie, nachwachsende Rohstoffe aus Land- und Forstwirtschaft, bestehende Industrieanlagen, Stoff- und Reststoffströme sowie Kompetenzen in Engineering und Anlagenbau. Die Startup Challenge bringt diese vorhandenen Ressourcen mit technologischen Lösungen junger Unternehmen zusammen.
Das Ziel reicht damit über einzelne Pilotprojekte hinaus: Erprobt werden soll, wie neue Stoffkreisläufe entstehen, fossile Ressourcen ersetzt und bestehende industrielle Strukturen für eine klimaneutrale Produktion weiterentwickelt werden können.
Die Gewinnerteams der zweiten Startup Challenge im Überblick
Ligaro GmbH
Das Startup nutzt pflanzliche Proteine aus bislang wenig erschlossenen Rohstoffquellen und entwickelt daraus einen neuartigen, CO₂-armen und recyclingfähigen Klebstoff für die Holz- und Verpackungsindustrie. Dieser kann erdölbasierte Industriekleber etwa bei Spanplatten oder Parkett teilweise oder vollständig ersetzen – bei gleichzeitig hoher mechanischer Leistungsfähigkeit.
Das Vorhaben schafft zudem eine industrielle Verwertungsmöglichkeit für regionale, standortnahe Reststoffströme und stärkt damit Stoffkreisläufe und industrielle Symbiosen. In Schwedt sollen dafür ein Labortechnikum und Batch-Reaktoren genutzt werden. Bei erfolgreicher Umsetzung können fossile Rohstoffe substituiert, CO₂-Emissionen reduziert und neue regionale Wertschöpfungsketten zwischen Rohstofferzeugung, Klebstoffentwicklung und Holzverarbeitung aufgebaut werden. VERBIO SE unterstützt das Vorhaben mit Rohstoffen, Produktdaten sowie Prozess- und Anwendungserfahrung.
Revoltech GmbH
Revoltech entwickelt mit LOVR™ eine biobasierte, recyclingfähige und kompostierbare Alternative zu Echtleder und Kunstleder. In Schwedt möchte Revoltech das Material auf bestehender industrieller Infrastruktur weiterentwickeln und industriell skalierbar machen.
In der Umsetzungsphase sollen bereits bestehende Faserströme im LEIPA-Werk für den Einsatz im Material LOVR™ getestet werden. Außerdem gleichen LEIPA und Revoltech die Anlagen am Standort mit dem Anforderungsprofil von LOVR™ ab und klären, ob dazu auch ein potentieller Produktionsversuch auf einer Anlage in Schwedt zukünftig ermöglicht werden kann.
Spark e-Fuels entwickelt eine flexible Chemical-Looping-Technologie zur Herstellung von erneuerbarem CO und Synthesegas als Ausgangsstoffe für grüne Chemikalien und synthetische Kraftstoffe. Im Projekt „e-CO Schwedt“ soll in Zusammenarbeit mit LEIPA und ENERTRAG SE die bereits im Pilotmaßstab demonstrierte Reverse-Water-Gas-Shift-Chemical-Looping-Technologie (RWGS-CL) um Methane-Dry-Reforming-Chemical-Looping (DRM-CL) erweitert werden. Ziel ist es, erstmals im Pilotmaßstab zu zeigen, dass dieselbe Technologieplattform je nach Verfügbarkeit entweder CO₂ und grünen Wasserstoff oder CO₂ und Methan nutzen kann. Damit wird die bestehende Lastflexibilität um eine neue Dimension – die Feedstock-Flexibilität – ergänzt.
Erste Challenge zeigt bereits Wirkung
Dass aus der Zusammenarbeit konkrete Anwendungen entstehen können, zeigt die erste Startup Challenge. Im Jahr 2025 wurden fünf Unternehmen für die Umsetzungsphase ausgewählt. Zwei der damaligen Gewinnerteams stellten beim diesjährigen Pitch Day ihre Erfahrungen vor.
So entwickelt Rement ein Verfahren weiter, mit dem Betonabfälle mithilfe von CO₂ und erneuerbarer Energie in wieder nutzbare Ausgangsstoffe wie Sand und Calciumcarbonat zerlegt werden können. Natura Materia entwickelt vollständig recyclingfähige Isolierverpackungen auf Papierbasis, die herkömmliche Plastik- und Verbundwerkstoffe ersetzen sollen. In Schwedt soll das Produkt bis zur Marktreife weiterentwickelt und eine Pilotfertigungsanlage aufgebaut werden. Dabei profitiert das Startup von der Infrastruktur und dem Recycling-Know-how der LEIPA Group als Industriepartner.
Beide Vorhaben zeigen, wie Startups und etablierte Industrieunternehmen am Standort Schwedt gemeinsam an der Entwicklung und praktischen Umsetzung neuer, kreislauforientierter Technologien arbeiten.
Pitch Day als Abschluss der SCHWEDT TRANSITION DAYS 2026
Der Pitch Day bildete zugleich den Abschluss der SCHWEDT TRANSITION DAYS 2026, die vom 21. bis 23. September 2026 von der Stadt Schwedt/Oder, dem Startup Labor Schwedt und der BMW Foundation Herbert Quandt veranstaltet wurden. Die dreitägige Reihe brachte Akteur*innen aus Industrie, Politik, Wissenschaft, Startup-Szene und Zivilgesellschaft zusammen, um Perspektiven für die Transformation des Industriestandorts Schwedt zu diskutieren – vom öffentlichen Dialog über die fachliche Vertiefung bis zu konkreten technologischen Lösungen beim abschließenden Pitch Day.
Über das Startup Labor Schwedt
Das Startup Labor Schwedt ist ein Projekt der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE), der LEIPA Group GmbH und der PCK Raffinerie GmbH. Es schafft Schnittstellen zwischen Wissenschaft, Startups und Industrie und entwickelt Formate, mit denen innovative Technologien für die industrielle Transformation am Standort Schwedt erprobt und weiterentwickelt werden können.Das Projekt wird durch das EXIST-Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags sowie durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg gefördert.
Weitere Informationen:
Konzept, Ablauf und Ziele der Startup Challenge Schwedt sowie Kurzportraits der Jury-Mitglieder
https://startuplabor-schwedt.de/innovationen/startup-challenge/
Für Rückfragen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung.