DAAD Ost-West-Dialogprogramm 2016
Forschungsprojekt
01/2016 - 12/2016
Kompetenzfelder:Nachhaltige Waldwirtschaft, Nachhaltiges Ökosystemmanagement
Kooperationen:Strategische Partnerschaft
Mittelgebende:Bundesmittel
Organisationseinheit:Department Wald - Holz - Umwelt
Das Engagement der Zivilgesellschaft für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung – Stärkung der Demokratie durch die Förderung eines interdisziplinären Diskurses sowie von Kooperationsformen, die Transparenz fördern
Wälder erbringen zahlreiche regulierende Ökosystemleistungen wie Schutz vor Erosion und Überschwemmungen, Wasserfilterung und Abfederung von Wetterextremen. Dies bedeutet, dass diese Wälder für die lokale Bevölkerung von großer Bedeutung sind. Die derzeitigen Waldbewirtschaftungspraktiken gefährden jedoch tendenziell die Erbringung dieser Leistungen. Angesichts der zunehmenden klimawandelbedingten Risiken (z. B. Starkregen, Dürre, Baumsterben) wird die Bedeutung regulierender Ökosystemleistungen zudem weiter zunehmen.
Die Projektregion der ukrainischen Karpatenwälder weist eine durchschnittliche Waldbedeckung von 37 % auf. Die regionale Forst- und Holzindustrie ist traditionell stark ausgeprägt: Mit 2.000 Unternehmen, 51.600 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 450 Millionen Euro hat sie einen Anteil von 20–25 % an der gesamten ukrainischen Forst- und Holzindustrie und von 11 % an der gesamtwirtschaftlichen Struktur der Karpaten.
Kontakt
Projektleitung
Prof. Dr. Pierre L. IbischProfessur für Sozialökologie der Waldökosysteme
Allgemeiner Kontakt
Angela DichteRESOLUTION „Beteiligung der Zivilgesellschaft am nachhaltigen Ökosystemmanagement in den ukrainischen Karpaten“
Unter Berücksichtigung der Ansprache der Vertreter*innen nichtstaatlicher Organisationen, staatlicher Behörden, staatlicher Forstbetriebe, staatlicher Waldreservate und Wissenschaftler*innen haben sich die Teilnehmer*innen eines im Juni 2016 abgehaltenen Workshops auf eine Erklärung mit konkreten Empfehlungen geeinigt.
Projektbeschreibung
Das Projekt umfasst verschiedene Aktivitäten, die als Plattform für den Dialog über nachhaltige Waldbewirtschaftung in der Westukraine dienen sollen und dabei unterschiedliche Vertreterinnen und Vertreter der Zivilgesellschaft einbeziehen. Die Projektpartner*innen begleiten diesen Dialog aus einer wissenschaftlichen Perspektive.
Seit der Unabhängigkeit der Ukraine werden Strukturen und Instrumente für eine nachhaltige Entwicklung im Land trotz eher ungünstiger Rahmenbedingungen zunehmend etabliert. Dazu gehören UNESCO-Biosphärenreservate als Lernorte für die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen ebenso wie Programme der akademischen und Hochschulbildung. Die Beteiligung der Zivilgesellschaft oder selbstorganisierter Bürgerinnen und Bürger an solchen Bemühungen um eine nachhaltige Entwicklung ist jedoch nach wie vor sehr gering. Darüber hinaus ist eine lösungsorientierte Zusammenarbeit zwischen Disziplinen und Sektoren von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung umfassender strategischer Ansätze.
Das Projekt zielt darauf ab, zu einer nachhaltigen Bewirtschaftung der Wälder beizutragen, die sowohl als Ressource als auch als Ökosystem eine bedeutende Rolle spielen und im Hinblick auf die Bereitstellung und Regulierung von Ökosystemleistungen in der Schwerpunktregion, den Ukrainischen Karpaten im äußersten Westen des Landes, eine zentrale Funktion erfüllen. Das Projekt ist darauf ausgerichtet, das Engagement der Zivilgesellschaft für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung zu fördern, indem der Dialog in einer interdisziplinären Gruppe verschiedener Akteure wie Universitäten, Verwaltungen von Schutzgebieten, Forstbetrieben, Nichtregierungsorganisationen und der Holzindustrie angestoßen wird. In diesem Dialog soll die aktuelle Situation der Region mithilfe systemischer Analyseinstrumente gemeinsam untersucht und Transformationsszenarien entwickelt werden. Der Wald wird dabei als komplexes Ökosystem mit all seinen Funktionen sowie den Faktoren betrachtet, die diese Funktionen beeinflussen. Schließlich sollen Anforderungen an das Management zur Umsetzung des Ökosystemansatzes (der Biodiversitätskonvention) in Verbindung mit dem Engagement der Zivilgesellschaft abgeleitet werden.
Das Projekt umfasst die Durchführung von:
- einem Workshop und einer Studienreise nach Lwiw und in die Ukrainischen Karpaten (Juni 2016)
- einem Workshop und einer Studienreise nach Eberswalde und in die umliegenden Schutzgebiete (September 2016)
- drei Stipendien für Forschungs- und Studienaufenthalte an der HNEE
(1) Gemeinsam mit der Ukrainischen Nationalen Forstuniversität (UNFU) und dem Karpaten-Biosphärenreservat veranstalteten das Zentrum und Mitarbeitende der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde in der Stadt Lwiw im Juni 2016 einen gemeinsamen Workshop zum Thema Beteiligung der Zivilgesellschaft an der Waldbewirtschaftung. Weitere Teilnehmende vertraten Nichtregierungsorganisationen wie Biosfera (Uschhorod), WWF Ukraine oder die Michael-Succow-Stiftung sowie staatliche Forstbetriebe und Vertreterinnen und Vertreter der öffentlichen Verwaltung.
Der Workshop umfasste eine Podiumsdiskussion zum Thema, die der breiten Öffentlichkeit in Lwiw offenstand. Dieses Veranstaltungsformat, das interessierten Personen aus der Zivilgesellschaft den Kontakt mit Fachleuten ermöglichte und allen die Gelegenheit gab, sich aktiv zu beteiligen, wurde sehr gut angenommen und führte zu zahlreichen Beiträgen und intensiven Diskussionen, obwohl ein solches Format in der Ukraine offenbar eher unüblich ist.
Der Workshop wurde anschließend im Gelände fortgesetzt, wo die institutionsübergreifende Delegation staatliche Forstbetriebe und das Karpaten-Biosphärenreservat in Transkarpatien besuchte.
(2) Vom 12. bis 17. September 2016 wird eine Delegation ukrainischer Vertreterinnen und Vertreter der Ukrainischen Nationalen Forstuniversität (UNFU), des Karpaten-Biosphärenreservats (CBR), der regionalen staatlichen Verwaltungen von Lwiw und Transkarpatien sowie von Nichtregierungsorganisationen das Zentrum und die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde besuchen, um an einem Workshop zum Projektthema teilzunehmen. Darüber hinaus wird die Delegation die umliegenden Schutzgebiete (Naturpark Barnim, Nationalpark Unteres Odertal und UNESCO-Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin) besuchen und Vertreterinnen und Vertreter ihrer Verwaltungen sowie weitere Fachleute treffen, darunter eine Vertretung des Stadtwaldes Eberswalde, Forstmanager der Oberförsterei Templin des Landes Brandenburg sowie den Leiter der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Barnim, um Erfahrungen über das Engagement der Zivilgesellschaft im Naturschutz und in der Waldbewirtschaftung auszutauschen.
(3) Prof. Vasyl Lavny besuchte die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde zweimal jeweils für einen Monat im Rahmen eines Forschungsaufenthalts, um die Zusammenarbeit im Bereich Waldbau sowie bei Methoden der zivilgesellschaftlichen Beteiligung an der forstlichen Managementplanung zu intensivieren. Zwei Masterstudierende der UNFU nahmen am dreiwöchigen Blockmodul „Projektbasierter Naturschutz und Landnutzungsmanagement“ an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde teil. Dort entwickelten sie im Rahmen praktischer Gruppenarbeit einen Projektvorschlag für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im europäischen Naturschutz.
Mittelgebende
Bundesmittel
Kooperationen
Strategische Partnerschaften