Convivial Futures – Exploring convivial conservation amid war, climate and societal crises / Konvivialer Naturschutz in Zeiten von Krieg, Klima- und Gesellschaftskrisen
Forschungsprojekt
01/2026 - 12/2026
Projektvolumen:71.525 EURO
Kompetenzfelder:Ökologie, Biosphärenreservate & Schutzgebiete, Nachhaltiges Ökosystemmanagement
Kooperationen:Strategische Partnerschaft
Mittelgebende:Bundesmittel
Dieses Projekt ist die elfte Initiative in Folge im Rahmen des Förderprogramms und führt die Zusammenarbeit mit unseren langjährigen Partnern in der Ukraine und der Republik Moldau fort. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Krieg, Klimawandel und gesellschaftliche Krisen ineinandergreifen und was das Konzept der Convivial Conservation dazu beitragen kann, damit umzugehen. Gemeinsam mit Universitäten, Biosphärenreservaten und zivilgesellschaftlichen Akteuren erproben wir, ob und wie Ansätze wie Ko-Management, gemeinschaftliche Verantwortung für Naturräume und partizipative Governance sozial-ökologische Erholung stärken können. Getragen wird das Projekt von einer zweiwöchigen Studienexkursion durch die Karpaten und bis an die östliche Waldgrenze in Moldau, einer „Conviviality Week“ in Deutschland sowie drei Forschungsstipendien.
Kontakt
Projektleitung
Prof. Dr. Pierre L. IbischProfessur für Sozialökologie der Waldökosysteme
Allgemeiner Kontakt
Angela DichteProjektfokus
Konviviale Zukünfte: Naturschutz unter Bedingungen vielfacher Krisen
Seit 2016 arbeitet das Centre for Econics and Ecosystem Management mit Partnern in der Ukraine, der Republik Moldau und Rumänien zusammen. Was 2016 als Dialog über zivilgesellschaftliche Beteiligung an nachhaltiger Waldwirtschaft begann, ist ein belastbares Netzwerk aus Universitäten, Biosphärenreservaten und Nichtregierungsorganisationen geworden.
Die Ausgangslage 2026 ist geprägt von verschiedenen, ineinandergreifenden Krisen: die unmittelbaren Folgen des Krieges in der Ukraine, zunehmende Dürren, Extremwetter und Waldbrandrisiko, beschleunigte Land- und Ökosystemdegradation, wirtschaftlicher Abstieg und zerstörte Infrastruktur, Vertreibung und demografischer Wandel sowie wachsende körperliche und psychische Belastungen. Diese Krisen treten nicht getrennt voneinander auf, sondern verstärken sich gegenseitig und prägen gemeinsam, wie gestresst Gesellschaften und Landschaften sind.
Als verbindenden konzeptionellen Rahmen führt das Projekt den Ansatz der Convivial Conservation (Büscher & Fletcher 2019, 2020) ein. Dieser verknüpft den Schutz biologischer Vielfalt mit Fragen von Umweltgerechtigkeit, gemeinschaftlicher Verantwortung und Existenzsicherung und sucht nach Formen des Zusammenlebens von Mensch und Natur jenseits von Abschottung einerseits und Vermarktung andererseits. Wir prüfen, welche Elemente dieses Ansatzes sich unter osteuropäischen Krisenbedingungen tatsächlich übertragen lassen und wo seine Grenzen liegen.
Projektaktivitäten
Zu den wichtigsten Komponenten des Projekts gehören:
- Studienreise: Eine zweiwöchige Exkursion für Studierende und Lehrende aus Deutschland, der Ukraine und der Republik Moldau zu Ur- und Altwäldern in der Slowakei, Rumänien, der Republik Moldau und Tschechien
- „Conviviality Days“ in Deutschland: Eine dreitägige Veranstaltung in Eberswalde im Herbst 2026 mit rund 15 Teilnehmenden aus den Partnerinstitutionen, Workshop und öffentliche Abendveranstaltung mit einem Gast aus der internationalen Convivial-Conservation-Community
- Drei Forschungsstipendien: für Wissenschaftler*innen aus den Partnerländern für Forschungsaufenthalte bis zu drei Monaten an der HNEE
Exkursion Juni 2026 – Bestand im Weltnaturerbegebiet Vihorlat, erste Station der Studienreise.
Exkursion Juni 2026 – Gruppenbild im Weltnaturerbegebiet Vihorlat, erste Station der Studienreise.
Exkursion Juni 2026 – Diskussion im Weltnaturerbegebiet Codrul Secular Slătioara, Rumänien
Exkursion Juni 2026 – Gruppenbild an der östlichen Waldgrenze im Reservat Plaiul Fagului, Republik Moldau
Exkursion Juni 2026 – Am Übergang zur Steppe; erste Lehrexkursion des Projekts in die Republik Moldau.
Exkursion Juni 2026 – Gruppenbild im Museum zur gagausischen Geschichte und Tradition in Congaz, Gagausien
Exkursion Juni 2026 – In der Auenlandschaft des Prut im UNESCO Biosphärenreservat Untere Prut
Exkursion Juni 2026 – Buchenwald im UNESCO-Weltnaturerbegebiet Codrul Secular Șinca im Făgăraș Massiv, Rumänien
Exkursion Juni 2026 – Lesung und Diskussion während der Busfahrt zum Konzept des Konvivialen Naturschutzansatzes
Exkursion Juni 2026 – Diskussion über Störungsdynamik und Prozessschutz auf der großflächigen Windwurffläche
Exkursion Juni 2026 – Gruppenbild auf der Windwurffläche im Weltnaturerbegebiet Izvoarele Nerei, Nationalpark Semenic, Rumänien
Exkursion Juni 2026 – Abschlussreflektionsrunde im Šumava Nationalpark, Tschechische Republik
Studienreise im Juni 2026
Vom 7. bis 21. Juni 2026 führte die Studienexkursion 41 Teilnehmende – darunter 33 durch das Projekt geförderte deutsche und ukrainische Studierende sowie Lehrende und Praxispartner aus der Ukraine und der Republik Moldau – quer durch vier Länder: von der Slowakei über Rumänien und die Republik Moldau bis nach Tschechien. Die Reise fand im Rahmen des Moduls „Erhaltung und Entwicklung alter und reifer Waldökosysteme“ statt und wurde durchgehend mit einem gemieteten Bus zurückgelegt.
Im Mittelpunkt standen vier Teilgebiete des UNESCO-Weltnaturerbes „Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas“: Vihorlat in der Slowakei sowie Codrul Secular Slătioara, Codrul Secular Șinca und Izvoarele Nerei in Rumänien. Zwei davon besuchte das Projektteam zum ersten Mal.
Erstmals führte eine Lehrexkursion des Projekts auch in die Republik Moldau. Im Reservat Plaiul Fagului erreichte die Gruppe die östliche Verbreitungsgrenze des Buchenwaldes am Übergang zur Steppe – ein Landschaftsgradient, der sich in Mitteleuropa so nicht beobachten lässt. Weitere Stationen waren die Autonome Region Gagausien und das UNESCO Biosphärenreservat Unterer Prut mit seinen Auwäldern.
Zu den prägenden Eindrücken gehörten zwei großflächige Störungsereignisse: die ausgedehnte Windwurffläche im Semenic-Wald und die Regeneration nach der Borkenkäferkalamität im Nationalpark Šumava. Beide Standorte boten Anlass, über Wiederherstellung, Prozessschutz und den Umgang mit Unsicherheit zu diskutieren; Fragen, die unter Kriegs- und Krisenbedingungen in den Partnerregionen besonders relevant sind.
Mittelgebende
Programm „Ost-West-Dialog“, aus Mitteln des Auswärtigen Amts.