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Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde
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Studie zeigt: Hohe Kosten bei der Nutzung von Doppelmessermähwerken

Doppelmessermähwerk bei der Mahd, 2020

Doppelmessermähwerk bei der Mahd, 2020 © HNEE, Ann-Kristin Saurma-Jeltsch

Mitarbeiter*innen der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) überprüften gemeinsam mit Landwirt*innen die Mehrkosten der Verwendung eines Doppelmessermähwerkes auf Naturschutzflächen.

Grünland hat einen herausragenden Wert für die biologische Vielfalt in unserer Kulturlandschaft. Durch ihre unterschiedlichen Pflanzenarten bieten Wiesen Lebensräume für eine Vielzahl von Tieren wie Vögel, Reptilien, Insekten und Spinnen. So zählt beispielweise langjährig extensiv genutztes Grünland, wie der Kalkmagerrasen, zu den artenreichsten Biotopen Mitteleuropas. Doch die Mahd, welche einerseits zur Erhaltung der vielfältigen Flora beiträgt, verringert andererseits die Fauna des Grünlandes erheblich. Denn bei jedem Schnitt mit einem gängigen Rotationsmähwerk wird ein Zehntel bis ein Drittel der Tierpopulation auf der gemähten Fläche getötet.

Vergangene Untersuchungen zeigen, dass der Schaden an der Grünlandfauna bei der Nutzung von Balken- und Doppelmessermähwerken wesentlich geringer ist, als bei der Nutzung von Rotationsmähwerken. Während die Nutzung eines Doppelmessermähwerkes einerseits negative Umwelteffekte mindert, berichten Praktiker*innen andererseits von steigenden Kosten für die Mahd bei der Nutzung eines solchen Mähwerkes.

Kosten unter die Lupe genommen
In einer Praxisstudie hat die Arbeitsgruppe „Politik und Märkte in der Agrar- und Ernährungswirtschaft“ der HNEE gemeinsam mit Partnerbetrieben die Mehrkosten untersucht, die bei der Verwendung eines Doppelmessermähwerkes im Vergleich zum üblichen Mähverfahren entstehen. Hierzu wurden in zwei Praxisbetrieben sämtliche Kosten im Zusammenhang mit der Nutzung des Doppelmessermähwerkes dokumentiert und ausgewertet.

Die Berechnungen zeigen, dass die Gesamtkosten beim Doppelmessermähwerk rund doppelt so hoch waren, wie bei herkömmlicher Mähtechnik. Einerseits bedingten höhere Anschaffungskosten für das Doppelmessermähwerk inklusive notwendiges Zubehör die zusätzlichen Kosten pro Hektar. Diese schlugen sowohl bei den variablen, als auch bei den festen Kosten zu Buche. Andererseits waren die benötigten Arbeitsstunden und damit die Arbeitserledigungskosten vergleichsweise hoch. Insbesondere das häufige Wechseln und Schleifen der Messer sind hervorzuheben. Diese Wartungsarbeiten waren deutlich umfangreicher als ursprünglich erwartet, insbesondere auf Naturschutzflächen. Denn durch die Zusammensetzung der Grünlandflora auf Naturschutzflächen werden die Messer stärker beansprucht, als auf anderen Flächen. Hinzu kommt, dass die Nutzung eines Doppelmessermähwerkes auch ein höheres Ernterisiko mit sich bringt. Denn die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die Mahd für das Wechseln (und Schleifen) der Messer unterbrochen werden muss. Dies kann sich besonders bei unsicheren Wetterlagen nachteilig auf die Futterqualität auswirken.

Auch, wenn diese Ergebnisse im Rahmen einer Praxisstudie gewonnen wurden und sich nicht vorbehaltlos auf andere Betriebe übertragen lassen, zeigen sie doch deutlich, dass ein finanzieller Ausgleich für den Einsatz von nicht-rotierender Mähtechnik notwendig ist, um Landwirt*innen zur Nutzung eines Doppelmessermähwerkes zu motivieren und auf diese Weise Insekten und andere Wiesentiere zu schützen.

„Wir freuen uns besonders, dass in Brandenburg die Ergebnisse der Praxisstudie bereits aufgegriffen wurden. Landwirt*innen, die für die Mahd ein Doppelmessermähwerk nutzen, sollen zukünftig im Rahmen der naturschutzorientierten Grünlandbewirtschaftung 100€/ha und Jahr für die Flächen erhalten, die sie mit einem Doppelmessermähwerk mähen“, erklärt die Koordinatorin des Netzwerkes „Schäfer schützen“ Ann-Kristin Saurma-Jeltsch.

Über das Netzwerk:
„Schäfer schützen" ist ein vom Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz gefördertes Projekt mit dem Ziel die Schafhaltung im Land Brandenburg nachhaltig zu stärken und den Beruf der Schäferin bzw. des Schäfers wieder attraktiv zu machen. Durch einen effektiven Wissensaustausch und eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen schafhaltenden Betrieben, Beratung und Wissenschaft sollen ressourcen- und klimarelevanten Innovationen bzw. deren Anpassung an die Bedingungen im Land Brandenburg entwickelt und verbreitet werden. Weitere Informationen und den vollständigen Abschlussbericht der Studie finden Sie unter hier.

Für Rückfragen stehen Ihnen gern zur Verfügung:                       

Fachkontakt
Ann-Kristin Saurma-Jeltsch
Koordinatorin Netzwerk Schäfer schützen
Tel.: +49 3334 657-563
Ann-Kristin.Saurma-Jeltsch@hnee.de

Pressekontakt
Corinna Hartwig
Mitarbeiterin für Wissenschaftskommunikation
Tel.: +49 3334 657-227
presse@hnee.de

Über die HNEE
Die HNEE ist national wie international Impulsgeberin für nachhaltige Entwicklung. Rund 2.300 Studierende aus 57 Ländern studieren und mehr als 370 Beschäftigte forschen, lehren und arbeiten an der modernen Campushochschule inmitten einer ausgedehnten Naturlandschaft vor den Toren Berlins. An den vier Fachbereichen Wald und Umwelt, Landschaftsnutzung und Naturschutz, Holzingenieurwesen und Nachhaltige Wirtschaft können in aktuell 20 und zum Teil deutschlandweit einzigartigen Studiengängen Kompetenzen in den Bereichen Naturschutz, Waldwirtschaft, Ökolandbau, Anpassung an den Klimawandel, nachhaltige Wirtschaft, Holzbau und nachhaltiges Tourismusmanagement erworben werden.
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