Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde
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Geschichte des Forstbotanischen Gartens

Der Forstbotanische Garten wurde 1830 mit der damaligen Königlichen Preußischen Höheren Forstlehranstalt in Eberswalde gegrĂŒndet. Durch die Herauslösung der forstlichen Ausbildung aus der UniversitĂ€t Berlin nach Eberswalde konnte der bedeutende Forstwissenschaftler Friedrich Wilhelm Leopold Pfeil (1783-1859) damit gleichsam den 'Grundstein' fĂŒr grĂ¶ĂŸere Anschaulichkeit und PraxisnĂ€he beim forstlichen Unterricht legen.(siehe Pfeildenkmal rechts)

Die Einrichtung der ersten Gartenanlage (benannt nach dem GrĂŒnder Pfeil), Denkmal2die sich auf der sĂŒdlichen Seite der Straße nach dem Zainhammer befand, erfolgte durch
Julius Theodor Christian Ratzeburg (1801-1871). Über diese Zeit sind wenig Dokumente vorhanden. Lediglich aus dem Jahre 1835 ist eine Pflanzenliste mit mehr als 600 Gehölzarten erhalten. In den Jahren 1861/62 wurde parallel zum alten Pfeilsgarten ein Forstgarten in Chorin aufgebaut, wo gehölzphysiologische Studien angestellt wurden. 1866 ĂŒbernahm Forstinspektor Bernhard Danckelmann (1831-1901) als Direktor die Forstakademie und die Leitung des Gartens. Unter seiner Regie verlegte man den Garten von 1868-1874 auf eine neue FlĂ€che, auf die Nordseite der Straße nach dem Zainhammer. Dieses Areal ist der Standort des heutigen 8 ha großen SolitĂ€r-Arboretums.

Durch Reorganisation von Lehre und Forschung gewann unter B. Danckelmann zunehmend die Wissenschaft an Bedeutung. Beispielsweise entstand wĂ€hrend seiner Amtszeit in Eberswalde die "Preußische Hauptstation fĂŒr das forstliche Versuchswesen", 1892 erfolgte die GrĂŒndung des "Internationalen Verbandes forstlicher Versuchsanstalten - IUFRO".

Neben Demonstrationszwecken diente der Forstbotanische Garten unter F.W.L. Pfeil wie unter B. Danckelmann auch der Forstpflanzenanzucht. Aus ĂŒberlieferten Unterlagen B. Danckelmanns geht hervor, daß jĂ€hrlich 1-4 Mill. Pflanzen angezogen und verkauft wurden: 95 % Kiefer, 5 % Weiß-Erle und Fichte.

Eine unter B. Danckelmann begonnene familienweise Anordnung der einheimischen und fremdlĂ€ndischen Gehölze im Arboretum erwies sich in der Folgezeit als ebenso ungĂŒnstig wie spĂ€tere Neupflanzungen nach pflanzengeographischen Gesichtspunkten. Bis heute wurde versucht, den vielfĂ€ltigen Standortbedingungen des Gartens Rechnung zu tragen und nach den Prinzipien von F.W.L. Pfeil eine möglichst standortgerechte Pflanzung vorzunehmen. In einigen Gartenbereichen jedoch gibt es gegenwĂ€rtig noch Ordnungsprinzipien mit systematischen Schwerpunkten. So im sogen. 'Eichenquartier', Quartier der RosengewĂ€chse und im derzeit entstehenden Salicetum. Im neuen Ostasiatenquartier erfolgte eine geographische Einteilung.

Unter Leitung von Noack ab 1927 und ab 1932 von Liese gab es weitere Gartenumgestaltungen. Einschneidend wirkte sich die "Zweite Preußische Sparverordnung" aus. Der Garten wurde im Rahmen dieser Maßnahme vom Herbst 1932 bis FrĂŒhjahr 1936 geschlossen, der Choriner Forstgarten aufgelöst. Die Auswirkungen des 2. Weltkrieges auf die Gartenanlage waren erheblich: Gehölzverluste, BeeintrĂ€chtigung ganzer Gartenteile durch SchĂŒtzengrĂ€ben und eine Flakstellung, Vernichtung der schriftlichen Aufzeichnungen.

Erst 1949/50 begannen AufrĂ€umungs- und Erhaltungsarbeiten. Von 1953 bis 1970 ĂŒbernahm H. Lyr die Leitung des Instituts fĂŒr Forstbotanik der Humboldt-UniversitĂ€t Berlin und des ihm angeschlossenen Gartens. Er arbeitete mit J. ConsmĂŒller (Techn. Leiter 1953-63) und Frau I. Seeliger (Leiterin des Forstbotanischen Gartens 1963-1978) zusammen. In den 50er Jahren entstanden Sonderanlagen: Steingarten, botanisches System mit heimischen Krautpflanzen und GrĂ€sern, eine Heckenanlage, ein Heil- und GewĂŒrzpflanzenteil, ein Moor, ein Teich, ein Schattenstauden- und Großstaudenbeet mit Gunnera, ein Farnhang sowie ein 'Afrikanum'.

Ebenso wurden auf H. Lyr's Veranlassung nach Abschluß einer Vereinbarung mit dem Forstbetrieb ab 1955 KleinbestĂ€nde fremdlĂ€ndischer Gehölze (Kleinbestands-Arboretum) auf der SĂŒdseite der Straße 'Am Zainhammer' in die WaldflĂ€che eingebracht. Diese fĂŒhren die von Schwappach um die Jahrhundertwende in Brandenburg angelegten FremdlĂ€nderanbauten fort. Im Osten begrenzt durch den alten Pfeilsgarten, im Westen durch die SchwĂ€rze, umfaßt das Kleinbestandsarboretum eine GrĂ¶ĂŸe von etwa 40 ha. Auf seinen TeilflĂ€chen wurden bis heute 60 Gehölzarten angebaut. Seit 1977 gehört es zum eingetragenen 'Landschaftsschutzgebiet SchwĂ€rzetal'. Die Uferberei-che der SchwĂ€rze und Quellmoore sind seit 1997 Naturschutzgebiet.

Neben SolitĂ€r- und Kleinbestands-Arboretum wurden auf dem GelĂ€nde der ehemaligen WaldsamenprĂŒfanstalt 'Am Zainhammer 5' in den 50er Jahren dieses Jahrhunderts GewĂ€chs-hĂ€user, WerkstĂ€tten und ein VerwaltungsgebĂ€ude gebaut. Hier erfolgen Anzuchten von Ge-hölzen und GewĂ€chshauspflanzen fĂŒr die Lehre und Forschung.

Nach der Schließung der Forstwirtschaftlichen FakultĂ€t Eberswalde 1963 und der Verlagerung der studentischen Ausbildung an die TU Dresden (Tharandt), ordnete man den Forstbotanischen Garten dem Institut fĂŒr Forstwissenschaften Eberswalde zu. Ab 1974, mit der Bildung des Forschungsbereiches Landeskultur und Jagd unter G. Hofmann, gehörte er als Fachgebiet zur Abteilung Angewandte Gehölzforschung. Hier erlangten Gehölzvermehrungsversuche unter Freiland- bzw. GewĂ€chshausbedingungen an Bedeutung.

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Mit der Einrichtung eines 4 ha großen Versuchsgartens (1972) am Zainhammergestell wurden Möglichkeiten geschaffen, hunderte von Pappel- und Weidenklonen der Graupaer Sammlung fĂŒr weitere Forschungen zu ĂŒbernehmen (siehe Bild links). AusgewĂ€hlte, forstlich interessante Landschaftsgehölze wurden hier auf Flurholzeignung geprĂŒft. Das Pappelsortiment konnte 1995/96 an die Bundesforschungsanstalt (BFA) ĂŒbergeben werden, das Weidensortiment blieb erhalten und wurde bis heute weiter ausgebaut.

Von 1978 bis 1996 leitete K.J. Endtmann den Garten, kurzzeitig mit dem Technischen Leiter B. Herrmann, ab 1986 mit Frau B. Schröter als Technischer Leiterin. In dieser Zeit kamen im SolitÀr-Arboretum ein Quartier ostasiatischer Pflanzen, ein neues ökologisch-soziologisches System mit Zeigerpflanzen sowie eine Sonderanlage amerikanischer Krautpflanzen hinzu. An der Promenade 'Schwappachweg' entstand ein Gesteinslehrpfad.

Mit der GrĂŒndung der Hochschule fĂŒr nachhaltige Entwicklung Eberswalde im Jahre 1992 durch G. Wolff wurde der Forstbotanische Garten als zentrale Einheit wieder einer Hochschule angegliedert. Seitdem bekleidet H. Schill als Leiter des Lehrstuhls fĂŒr Forstbotanik das Amt des Direktors. Neben Forschung fand die Lehre der verschiedenen Fachbereiche wieder Einzug in den Garten. 1997 begannen im SolitĂ€r-Arboretum Arbeiten zur Umgestaltung und Erweiterung des Steingartens in ein Alpinum. In Vorbereitung der Anlage eines neuen Salicetums fanden im Erlenbruch (hinter der Oberförsterei) FĂ€llmaßnahmen statt. Im Oktober 1997 trat B. Götz die Nachfolge von K.J. Endtmann an.