Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde
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Studie gibt Einblicke zur Akzeptanz von Agroforstsystemen in Kirgisistan

┬ę Daniel Villwock

Beliebte Schutzg├╝rtel auf den Feldern im Gebiet Jalal Abad Oblast in Kirgisistan
┬ę Daniel Villwock


Eine erste Studie ├╝ber Ansichten der Landwirte zu Agroforstwirtschaft im postsowjetischen Kirgistan macht deutlich, dass es erhebliche Barrieren in Hinblick auf die Einf├╝hrung von Baum-Windschutzstreifen gibt und die Landwirte mehr Unterst├╝tzung ben├Âtigen, ihre Skepsis gegen├╝ber dieser Praxis abzubauen. Um die Einf├╝hrung von Windschutzstreifen auszuweiten, schlagen Forscher kooperative Modelle vor und setzen auf die aktive Unterst├╝tzung lokaler Regierungen.

Die gr├Â├čten Hindernisse f├╝r die Einf├╝hrung von agroforstwirtschaftlichen Windschutzstreifen stellen kleine Parzellengr├Â├čen sowie mangelnde Information und Unterst├╝tzung durch die Lokalregierung dar. Dies ist das Hauptergebnis einer ersten Studie, die Einstellungen kirgisischer Landwirte zu Windschutzstreifen untersuchte und M├Âglichkeiten nachging, die Verbreitung dieser Praxis zu bef├Ârdern. Die Studie zur Wahrnehmung von Windschutzstreifen durch Landwirte in Kirgistan basiert auf einem Projekt, das von der Hochschule f├╝r nachhaltige Entwicklung Eberswalde in Zusammenarbeit mit dem World Agroforestry Centre (ICRAF) durchgef├╝hrt wurde. Sie wurde im Februar dieses Jahres in der Fachzeitschrift Sustainability ver├Âffentlicht.

Zitat Niels Thevs vom World Agroforestry Centre (ICRAF) in Kirgistan
ÔÇťDie Ergebnisse dieser Studie sind relevant, weil der ├Âkosystemare Ansatz f├╝r agroforstwirtschaftliche Systeme einen immer gr├Â├čeren Zuspruch findet. Wir stellen nicht nur neue Erkenntnisse ├╝ber die Herausforderungen bei der Wiedereinf├╝hrung von Windschutzstreifen dar, sondern zeigen auch klar auf, dass die Anliegen der Bauern erst genommen werden m├╝ssen, wenn wir Strategien zur F├Ârderung umweltfreundlichen Verhaltens entwickeln wollen.ÔÇť

Zitat Martin Welp, Hochschule f├╝r nachhaltige Entwicklung Eberswalde:
ÔÇťWie bei so vielen Herausforderungen im Zusammenhang mit nachhaltiger Entwicklung gibt es auch f├╝r umweltfreundliches Verhalten vielf├Ąltige Hindernisse. Wir m├╝ssen diese Barrieren erst einmal verstehen, aber auch ├╝berwinden k├Ânnen, indem wir institutionelle Rahmenbedingungen schaffen, die den Weg f├╝r die verst├Ąrkte Akzeptanz nachhaltiger Praktiken ebnen.ÔÇŁ

Die Pflanzung von Baumreihungen zum Windschutz entlang der Grenzen landwirtschaftlicher Nutzfl├Ąchen war in der Sowjetunion eine weit verbreitete Form der Agroforstwirtschaft. Das Ackerland relativ gro├čer Kolchosenparzellen wurde so vor Winderosion gesch├╝tzt. Die Forscher argumentieren, dass solche Schutzg├╝rtel zu einer nachhaltigeren Landnutzung in den semi-ariden, d.h. trockeneren Klimazonen Zentralasiens f├╝hren k├Ânnten, wobei die Landwirtschaft in dieser Region stark auf Bew├Ąsserung angewiesen ist.
Der ├ťbergang vom gr├Â├čer angelegten Kolchosensystem zur individuellen Landwirtschaft in den 1990er Jahren mit vielen kleinen Parzellengr├Â├čen hat jedoch dazu gef├╝hrt, dass Landwirte nur z├Âgerlich zu der fr├╝heren Praxis zur├╝ckkehren wollen. Sie nehmen mehr die Nachteile einer solchen Praxis wahr, wie etwa geringere Ernteertr├Ąge durch Beschattung, und sind sich der Vorteile dieses Systems gemeinhin nicht ausreichend bewusst.
Dabei k├Ânnte die Wiedereinf├╝hrung von Agroforstsystemen in Zentralasien, hier im Speziellen die Kombination von agrarischer Produktion mit dem Bau von Windschutzstreifen, Ernteertr├Ąge erh├Âhen, zus├Ątzliche Holzressourcen schaffen sowie die Bodendegradation und Winderosion verringern. Von entscheidender Bedeutung ist daher der Abbau der negativen Wahrnehmung dieser Praxis durch die Landwirte.
Die Ergebnisse der Interviews mit 80 Landwirten der Regionen Issuk Kul und Jalal Abad haben die Wissenschaftler dennoch zuversichtlich gestimmt. Es l├Ąsst sich ableiten, dass sich die eher negative Wahrnehmung durch drei Ma├čnahmen ├Ąndern k├Ânnte: Erstens k├Ânne man anstatt zwischen einzelnen Landnutzungsfl├Ąchen um die L├Ąndereien mehrerer einzelner Parzellen herum Windschutzstreifen einrichten. Die ├ťberzeugung der Landwirte diese ÔÇ×kollektivereÔÇť Praxis wieder anzunehmen, w├╝rde der Besorgnis um Einkommensverluste durch Beschattung entgegenwirken und Konflikte zwischen direkten Nachbarn mildern. Zweitens, k├Ânnten Landwirte mehr Unterst├╝tzung durch offizielle Beratungsdienste und Lokalregierungen erhalten, die wiederum ihrerseits besser ├╝ber die Vorteile agroforstwirtschaftlicher Praktiken informiert werden. Zuletzt k├Ânnten Windschutzstreifen modellhaft eingef├╝hrt werden, um den Landwirten vor Ort zu demonstrieren, dass sie weitaus mehr Vorteile bringen als einzig zur Bereitstellung von Brennholz oder Baumaterial.

├ťber das World Agroforestry Centre (ICRAF)
World Agroforestry (ICRAF) ist ein Zentrum f├╝r wissenschaftliche und entwicklungspolitische Exzellenz, das die Vorteile von B├Ąumen f├╝r Mensch und Umwelt nutzt. Das von ICRAF produzierte Wissen erm├Âglicht es Regierungen, Entwicklungsorganisationen und Landwirten, die Kraft der B├Ąume zu nutzen, um die Landwirtschaft und die Lebensgrundlagen in mehrfacher Hinsicht ├Âkologisch, sozial und wirtschaftlich nachhaltiger zu gestalten. Die ICRAF ist eines der 15 Mitglieder der CGIAR, eines globalen Forschungskonsortiums f├╝r eine nahrungsgesicherte Zukunft.

├ťber die Hochschule f├╝r nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE)
Die Hochschule f├╝r nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) ist die kleinste Fachhochschu-le in Brandenburg mit rund 2.200 Studenten und 61 Professoren. Nachhaltige Entwicklung stellt den Hauptschwerpunkt und wird konsequent in allen Bereichen der Fachhochschule, d.h. in Lehre, Forschung, Betrieb und Transfer, umgesetzt und partizipativ weiterentwickelt. Die 20 innovativen und zum Teil einzigartigen Studieng├Ąnge der vier Fakult├Ąten Wald und Umwelt, Landschaftsnutzung und Naturschutz, Holztechnik und Nachhaltige Wirtschaft haben ein sehr eigenst├Ąndiges, der nachhaltigen Entwicklung und dem daf├╝r notwendigen gesellschaftlichen Wandel verpflichtetes Profil, das zum Teil einzigartig in Deutschland ist.

Weiterf├╝hrende Info: Video "Agroforestry and Central Asia" zum Projekt https://youtu.be/2mAfQzO7MHg

F├╝r R├╝ckfragen stehen zurVerf├╝gung:

Fachkontakte
Prof. Dr. Martin Welp
Hochschule f├╝r nachhaltige Entwicklung Eberswalde
Fachbereich f├╝r Wald und Umwelt
Fachgebiet Sozio├Âkonomie und Kommunikation
Tel.: +49 3334 657-172
Martin.Welp@hnee.de

Niels Thevs
World Agroforestry Centre (ICRAF)
Senior Scientist
Koordinator Zentralasien Programm
N.Thevs@cgiar.org

Pressekontakte
Jeanne Finestone
ICRAF
Leiterin Kommunikation
Tel.: +254 711 946327
j.finestone@cgiar.org


Annika Bischof
HNEE-Pressestelle
Mitarbeiterin f├╝r Wissenschaftskommunikation
Telefon: 03334 657-227
annika.bischof@hnee.de